Telekommunikation T-Mobile will billiger werden

Mit Preisnachlässen will T-Mobile die Kunden dazu bewegen, das Handy häufiger zu nutzen. Das soll sich auch im Umsatz des Unternehmens niederschlagen, das vor zwei Wochen starke Einbrüche in allen Geschäftsbereichen vermelden musste.


Bonn - Die Tochter der Deutschen Telekom stellte heute drei neue Tarife für Vertrags- und Prepaidkunden vor. Mit Preisen von unter zehn Cent die Minute sei es das Ziel, den Mobilfunk vom "Teuerimage" zu befreien und die Nutzung anzukurbeln, sagte der Chef von T-Mobile Deutschland, Philipp Humm. Im weitgehend gesättigten Mobilfunkmarkt wird es für die Anbieter zunehmend schwieriger, Kunden zu gewinnen. Derzeit liegt der durchschnittliche Minutenpreis bei 22 Cent.

Telekom-Chef Ricke: Mit Preissenkungen aus der Umsatzkrise?
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Telekom-Chef Ricke: Mit Preissenkungen aus der Umsatzkrise?

"Im vergangenen Quartal ist der Mobilfunkmarkt erstmals geschrumpft, mit 0,2 Prozent Rückgang zum Vorjahr beim Serviceumsatz", sagte Humm. Vor allem der von E-Plus Mitte 2005 angestoßene Preiskampf habe zu dem branchenweiten Umsatzminus der Handyanbieter geführt. Humm gab sich zuversichtlich, dass sich die gesenkten Preise mit einer gewissen Verzögerung im Umsatz bemerkbar machen würden. Die neuen Tarife sollten dazu beitragen, die Umsatzbasis zu stärken, sagte er. Im ersten Halbjahr hatte Deutschlands größter Mobilfunkanbieter T-Mobile drei Prozent Umsatz eingebüßt.

Seine Zuversicht begründete der Manager mit der niedrigeren Handynutzung, die in Deutschland mit monatlich 81 Minuten pro Kunden deutlich hinter anderen Ländern Europas liegt. Auch der durchschnittliche Umsatz pro Kunde liege deutlich unter dem europäischen Niveau, so Humm. Er gehe unverändert davon aus, dass das Mobilfunkgeschäft ein Wachstumsmarkt sei.

Flatrate, Homezone, Bündelangebote

T-Mobile bietet künftig eine neue Flatrate für Gespräche ins Ortsnetz und ins T-Mobile-Netz. Außerdem soll es die Möglichkeit zu einer Homezone geben, mit der im Umkreis von zwei Kilometern das Handy ähnlich wie beim Genion-Konzept des Konkurrenten O2 als Festnetztelefon genutzt werden kann. Weiterhin soll es für Vieltelefonierer einen 1000-Minuten-Tarif geben. Als drittes Angebot kommt ein zusätzliches Prepaid-Angebot hinzu. Der Tarif-Vergleichsdienst Teltarif stufte jedoch alle drei Tarife als wenig attraktiv für Kunden ein. Andere Mobilfunkanbieter würden ähnliche oder günstigere Tarife bieten. "Sollte Herr Ricke tatsächlich zum großen Schlag ausholen wollen, dann machen zumindest die T-Mobile-Angebote nicht den Eindruck, dass ihm das gelingt", urteilte Teltarif-Geschäftsführer Martin Müller.

Die neuen Tarife sind Teil der Strategie von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, Marktanteile im deutschen Geschäft zu verteidigen. Bei der Vorlage der Halbjahresbilanz hatte Ricke die Prognose für dieses und das kommende Jahr deutlich gesenkt und die T-Aktie auf Talfahrt geschickt.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin will Ricke auch neue Bündelangebote für Internet, Telefonie und Unterhaltung präsentieren. T-Mobile wolle nicht Preisführer in Deutschland sein, sondern das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, ergänzte Humm. Zum Ausbau des Service wolle T-Mobile Deutschland bis Ende 2007 zusätzlich 450 Arbeitsplätze in der Kundenbetreuung schaffen.

nkl/Reuters/AFP/dpa



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