Terror-Finanzierung Die tiefen Wurzeln der al-Qaida

Die Austrocknung der Finanzquellen des islamischen Fundamentalistenführers Osama Bin Laden zieht sich einem US-Pressebericht zufolge in die Länge. Der Arm der Terrororganisation reicht viel weiter, als die Fahnder bislang gedacht hatten.


Undurchschaubares Finanznetzwerk: Osama Bin Laden
DPA

Undurchschaubares Finanznetzwerk: Osama Bin Laden

Washington - Als einen der Gründe nennt die "New York Times" unter Berufung auf US-Experten, dass der Spendenapparat des al-Qaida-Netzwerks noch komplizierter aufgebaut sei als bisher vermutet. Bin Ladens Organisation greife zur Finanzierung ihrer Operationen auf eine Fülle von Privatbetrieben, Körperschaften und Wohltätigkeitsvereinen zurück, deren Verbindungen untereinander nur schwer zu durchschauen seien. Das finanzielle Netzwerk sei nach Art der Mafia so gut strukturiert, dass es selbst nach Bin Ladens Festnahme oder Tod weiter funktionieren könnte.

Dem Kampf gegen Bin Ladens Finanznetzwerk messen die Experten mindestens so große Bedeutung bei wie einem militärischen Erfolg. "Wenn die finanzielle Grundlage von al-Qaida erhalten bleibt, können wir die Terroristen rund um den Erdball jagen, so viel wir wollen. Wir können einzelne Zellen zerstören, aber wir werden das Problem nie bei der Wurzel packen", sagt Michael Zeldin, der ehemalige Chef der Abteilung Geldwäsche im US-Justizministerium.

Die Arbeit der Fahnder sei schon deshalb so mühsam, weil der Geldtransfer häufig in kleinen Summen erfolge. So hätten beispielsweise die Männer, die am 11. September die Passagierflugzeuge in den USA entführten, mindestens 238.000 Dollar in zahlreichen kleinen Beträgen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten überwiesen bekommen. Außerdem hätten die Entführer und einige ihrer Helfer bei ihrer Einreise in die USA rund 40.000 Dollar deklariert, die auch zur Durchführung der Anschläge hätten bestimmt sein können.

Immerhin hat sich inzwischen herausgestellt, dass das private Vermögen des saudi-arabischen Fundamentalistenführers erheblich geringer ist als bislang angenommen. Bin Ladens Erbe liege statt der geschätzten 300 Millionen Dollar eher bei 25 Millionen Dollar.

Das heißt allerdings nicht, dass die finanziellen Mittel der Terrororganisation auf diesen Betrag beschränkt sind. Zusätzliche Geldquellen haben die Fahnder in zahlreichen kriminellen Geschäften, etwa dem Drogenhandel, ausgemacht. So ermöglichte nach Angaben von US-Ermittlern der jahrelange Bürgerkrieg in Bosnien al-Qaida einen Brückenkopf einzurichten, über den Heroin nach Europa geschleust werden kann. "Pikanterweise profitierte al-Qaida dabei von dem Friedensabkommen von Dayton", erklärt ein Geheimdienstoffizier. Die in Bosnien eingerichtete Moslem-Enklave habe ideale Bedingungen dafür geschaffen, sich mit extremistischen Moslemgruppen in Verbindung zu setzen und gemeinsame Sache zu machen.



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