Terror-Millionen Keine Cola ohne Bin Laden?

Den Amerikanern dreht sich der Magen um. Ausgerechnet der Staatsfeind Nummer eins, Osama Bin Laden, soll jahrelang die Produktion eines Rohstoffs kontrolliert haben, ohne den Kaugummi und Coca Cola nicht produziert werden können.

Nairobi - Diesen Verdacht legen verschiedene Geheimdienstberichte nahe, die jüngst an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es geht um Gummiarabikum, ein in afrikanischen Ländern gewonnenes Akazien-Baumharz.

"Es ist möglich, dass jedes Mal, wenn jemand einen amerikanischen Softdrink kauft, er damit Osama Bin Ladens Schatztruhen füllt", schreibt der britische Autor Simon Reeve in seinem Buch über Bin Ladens Netzwerk "The New Jackals" (Die neuen Schakale). Gummiarabikum gilt in der Lebensmittelindustrie als Multitalent: Es findet sich in Kaugummi oder dient als Schaumstabilisator, der zum Beispiel bei der Herstellung von Konfekt eingesetzt wird. Bei Flüssigkeiten verhindert Gummiarabikum, dass sich Partikel am Boden der Flasche absetzen. Aber auch bei der Herstellung von Kosmetika oder Pharmaprodukten wird der Stoff eingesetzt.

80 bis 90 Prozent des einzigartigen weil leicht löslichen Baumharzes werden im Sudan gewonnen und von der 1969 gegründeten Gum Arabic Company vertrieben. Während das farblose bis bräunliche Harz aus der Rinde der Senegal-Akazie im Norden Kenias oder im Tschad hauptsächlich von Nomaden gesammelt und an Verkaufsstellen abgeliefert wird, hat die sudanesische Firma Kleinbauern unter Vertrag. Sie ernten jährlich rund 40.000 Tonnen des begehrten Stoffes auf ihren Plantagen. Und ein beträchtlicher Teil des Jahresumsatzes von rund 60 Millionen US-Dollar soll zumindest in der Vergangenheit in Bin Ladens Taschen gelandet sein.

Der Terroristenführer, der von 1991 bis 1996 im Sudan die finanzielle Basis für sein weltweites Terrornetz legte, hielt nach Informationen internationaler Geheimdienste große Anteile an der vom Sudanesen Abd al-Magid Abd al-Gadir geleiteten Firma. Sie versorgte über den Agenten PL Thomas & Co in New Jersey auch ganz Nordamerika mit dem begehrten Gummiharz. Interne Marktstudien verzeichnen, dass Bin Laden zumindest bis 1998 "nahezu ein Monopol" über das Produkt hatte. Nach Presseberichten sind sich jedoch sowohl CIA als auch das Außenministerium in Washington unsicher, ob Bin Laden noch immer involviert ist.

Der Verband der amerikanischen Softdrink-Hersteller glaubt indes nicht, dass Bin Laden je die Kontrolle über den wichtigen Rohstoff besessen hat. Zwar hätte Bin Laden Anfang der neunziger Jahre tatsächlich versucht, die Gum Arabic Company im Sudan zu übernehmen, doch der Versuch sei fehlgeschlagen.

Auch die sudanesische Regierung bestreitet jegliche Handelsverbindung zu dem Topterroristen vehement. "Die sudanesische Regierung hat 30 Prozent der Anteile (der Gum Arabic Company), die restlichen 70 sind in Besitz lokaler Banken", erklärte der sudanesische Botschafter in Kenias Hauptstadt Nairobi, Dirdeiry Ahmed, gegenüber der Wochenzeitung "East African". Fraglich, so meinen diplomatische Beobachter, sei jedoch, ob manche dieser Banken nicht auch in Verbindung mit Bin Laden stehen.

Vom Sudan fließt das Harz - meist über Dschibuti und Frankreich - auch nach Europa. In Deutschland galt die Hamburger Firma Willy Benecke lange als Importeur von Gummiarabikum. Doch deren Geschäftsführung habe von möglichen Verbindungen zu Bin Laden nichts gewusst, hieß es auf Anfrage. Der Handel mit Gummiarabikum aus dem Sudan sei aber zunächst einmal eingestellt worden.

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