Terror-Nachwehen Die Milliardenstrafe der Saudis

Die verbalen Attacken nach dem 11. September und die Klage gegen das Königshaus haben das Verhältnis der USA zu Saudi-Arabien schwer belastet. Schätzungen zufolge haben verärgerte saudische Investoren bis zu 200 Milliarden Dollar vom amerikanischen Markt abgezogen.


Versuch der Versöhnung: US-Präsident Bush und der saudische Kronprinz Abdullah im April
REUTERS

Versuch der Versöhnung: US-Präsident Bush und der saudische Kronprinz Abdullah im April

London - Seitdem bekannt ist, dass bei den Terroranschlägen vom 11. September fünfzehn der neunzehn Attentäter saudi-arabischer Nationalität waren, schlagen die Wellen der Empörung in den USA hoch. Verwandte der Attentatsopfer haben eine Milliardenklage gegen saudische Behörden, islamische Spendenorganisationen und gegen drei Mitglieder des Königshauses angestrengt. Schon vorher war in vielen US-Medien die Forderung laut geworden, alle Besitztümer saudi-arbischer Herkunft in den USA einzufrieren. Bei einer Beratung im Pentagon wurde Saudi-Arabien kürzlich gar als "Kern des Bösen" bezeichnet.

Die Verstimmung zwischen den beiden Ländern hat offenbar handfeste wirtschaftliche Folgen. Nach Berechnungen von Youssef Ibrahim, einem Experten des britischen Außenministeriums haben saudische Investoren mittlerweile rund 200 Milliarden Dollar an Kapital aus den USA abgezogen, berichtet die "Financial Times" (FT). Der Zeitung zufolge sehen Banker in London den Geldabfluss eher in der Nähe von 100 Milliarden Dollar. Nach bisherigen Schätzungen liege die Gesamtsumme saudischer Guthaben in den USA zwischen 400 und 600 Milliarden Dollar.



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