Terroralarm Sicherheits-Regeln bedrohen Billigflieger

Auch etablierte Airlines wie BA ärgern sich über Chaos, lange Wartezeiten und Kontrollen an Flughäfen nach den vereitelten Terror-Anschlägen. Billigflieger wie Ryanair aber sind stärker betroffen als andere - ohne schnelle und sparsame Abfertigung gerät ihr Geschäftskonzept ins Wanken.


London - "Mit diesen strengen Sicherheitsvorkehrungen spielt die britische Regierung den Extremisten in die Hände", sagt Michael O'Leary. Harte Worte von einem, den die langen Wartezeiten an Flughäfen da treffen, wo es besonders wehtut: im Geldbeutel. Der nie um einen drastischen Spruch verlegene Chef des Billigfliegers Ryanair Chart zeigen ärgert sich über die verschärften Kontrollen, die ihn bares Geld kosten.

Denn die Sicherheitsvorkehrungen an britischen Flughäfen machen ihm und seinen Kollegen unter den Billigfliegern besonders schwer zu schaffen. Bedeutet doch gerade für die Discounter jede Minute, die ihre Maschinen am Boden verbringen, verlorenes Geld.

Discounter-Pilot O'Leary: Drastische Sprüche
REUTERS

Discounter-Pilot O'Leary: Drastische Sprüche

In der Vergangenheit haben die Billigflieger deshalb fieberhaft daran gearbeitet, ihre Abfertigungszeiten zu minimieren. Ryanair beispielsweise braucht durchschnittlich 25 Minuten von der Landung bis zum nächsten Start. Hauptkonkurrent Easyjet Chart zeigen ist nur fünf Minuten langsamer.

Um das zu erreichen, sparen die Billigflieger möglichst viel an Arbeiten ein, die während des Stopps erledigt werden müssen. Diese schnelle Abfertigung ist natürlich nur möglich, wenn auch beim Check-in alles schnell und unkompliziert läuft. Mit strengen Sicherheitsvorkehrungen, wie sie derzeit auf britischen Flughäfen gelten, ist das aber kaum möglich. Und so stehen die startbereiten Billigflieger an Flughäfen herum, während die Passagiere noch in langen Schlangen vor der Sicherheitsschranke warten.

Schlimmer noch: Easyjet hat 500 Flüge seit Donnerstag streichen müssen, bei Ryanair fällt jeder fünfte Flug aus. Das schmälert die Auslastung der Flotte und kostet Geld. Wie lange die Billigflieger diese Verluste verkraften können, bevor sie die Kosten an die Fluggäste weitergeben müssen, ist unklar.

Handgepäck: Sorglose Zeiten vorbei?

Auch die Beschränkungen beim Handgepäck stellen speziell für die Billigflieger ein Problem dar. Um Zeit bei der Gepäckabfertigung zu sparen, sind die Discounter daran interessiert, dass sich jeder Fluggast möglichst selbst um sein Gepäck kümmert.

Deshalb hat beispielsweise Ryanair gerade in diesem Jahr eine zusätzliche Gebühr auf eingechecktes Gepäck erhoben. Mit dem Ziel, dass ihre Fluggäste möglichst wenig und bestenfalls nur das mit auf Reisen nehmen, was sie auch selbst mit an Bord tragen können. Wie sich all das auf den Jahresgewinn auswirken wird, wollte Ryanair bisher nicht kommentieren.

Bei Easyjet heißt es, die Beschränkungen für das Handgepäck träfen traditionelle Airlines genauso hart. "Im Gegensatz zu uns müssen sie Gepäck viel öfter durchchecken, weil es viel mehr Strecken mit Anschlussflügen gibt", erklärt Sprecher Oliver Aust. Außerdem seien vor allem die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Londoner Flughafen Heathrow verschärft worden, den Easyjet nicht anfliegt.

Ein Branchenexperte meinte außerdem, dass immerhin die Einnahmen durch den Getränkeverkauf an Bord steigen, weil deren Mitnahme verboten ist. Außerdem seien die Sicherheitsvorkehrungen schon jetzt etwas gelockert worden.

Trotzdem gehen Experten wie David Byron, Airline-Berater und selbst ehemaliger Chef einer Billig-Airline, davon aus, dass sich auch auf lange Sicht im Segment der Billigflieger etwas ändern wird. Glaubt man Experten wie Byron, dann werden nämlich einige der strengeren Kontrollen wohl auch in Zukunft beibehalten. "Ich glaube nicht", sagt Byron, "dass wir wieder zu den Zeiten des sorglosen Umgangs mit Handgepäck zurückkehren werden."

Jane Wardell, AP



insgesamt 175 Beiträge
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Seite 1
knarfe, 15.08.2006
1.
---Zitat von sysop--- Nach den vereitelten Anschlägen in London gelten dauerhafte Einschränkungen beim Fluggepäck als wahrscheinlich. Sind die harten Regelungen gerechtfertigt? Welche Auswirkungen wird dies auf den Reiseverkehr haben? ---Zitatende--- Die Hysterie und der Aktionismus mit den jedesmal auf einen Terroranschlag, bzw. in diesem Fall, auf einen glücklicher Weise verhinderten, ist einfach unerträglich. Eine solche Behinderung des Luftverkehrs, also eines Teils unseres normalen Lebens, sollten wir den Terroristen dieser Welt einfach nicht erlauben. Was kommt denn sonst als nächstes? Leibesvisitation? Könnte ja sein, das jemand den Sprengstoff oder Zutaten dazu irgendwo am oder im Körper versteckt? Ich persönlich (als regelmäßiger Flugpassagier) bin jedenfalls bereit mit einem Restrisiko zu leben.
Joachim Baum 15.08.2006
2.
---Zitat von sysop--- Nach den vereitelten Anschlägen in London gelten dauerhafte Einschränkungen beim Fluggepäck als wahrscheinlich. Sind die harten Regelungen gerechtfertigt? Welche Auswirkungen wird dies auf den Reiseverkehr haben? ---Zitatende--- Oh, ich hätte da einen Tipp für Frachtflugunternehmen ... (sowas könnte die Wirtschaft weiter ankurbeln, just in time, da kennen die sich aus) Bis dann mal einer auf dei Idee kommt, "bombige" Limonade vor dem Flug zu trinken, dann haben wir wieder ein neues Problem.
gast21, 15.08.2006
3. Ditto
---Zitat von knarfe--- Die Hysterie und der Aktionismus mit den jedesmal auf einen Terroranschlag, bzw. in diesem Fall, auf einen glücklicher Weise verhinderten, ist einfach unerträglich. Eine solche Behinderung des Luftverkehrs, also eines Teils unseres normalen Lebens, sollten wir den Terroristen dieser Welt einfach nicht erlauben. Was kommt denn sonst als nächstes? Leibesvisitation? Könnte ja sein, das jemand den Sprengstoff oder Zutaten dazu irgendwo am oder im Körper versteckt? Ich persönlich (als regelmäßiger Flugpassagier) bin jedenfalls bereit mit einem Restrisiko zu leben. ---Zitatende--- Schritt für Schritt ereichen die Terroristen also genau was sie wollen - den Angriff auf das was wir mal als "Freiheit" bezeichnen konnten.....
GLH, 15.08.2006
4. Lösungen sind gefragt
---Zitat von knarfe--- Die Hysterie und der Aktionismus mit den jedesmal auf einen Terroranschlag, bzw. in diesem Fall, auf einen glücklicher Weise verhinderten, ist einfach unerträglich. Eine solche Behinderung des Luftverkehrs, also eines Teils unseres normalen Lebens, sollten wir den Terroristen dieser Welt einfach nicht erlauben. Ich persönlich (als regelmäßiger Flugpassagier) bin jedenfalls bereit mit einem Restrisiko zu leben. ---Zitatende--- Was bedeutet das denn, "den Terroristen nicht erlauben" Sollen wir Ihnen das per order die mufti "verbieten"...? Jetzt sind erst mal Lösungen gefragt, d.h. eben Verbote der Gepäckmitnahme - such easy! Was sonst? Und Ihr geliebtes "Restrisiko" tragen Sie mal bitteschön ganz alleine! Ohne das Gepäck der berechtigterweise skeptischen Mitreisenden. Die wollen nämlich nicht aus dem Jet gebombt werden! Das hat ganz sicher nix mit Hysterie zu tun!
Priest, 15.08.2006
5.
Eine Idee wäre es doch das Handgepäck zu verschliessen, sprich das Handgepäck wird normal durchsucht, mit einem Siegel versehen und dann in den normalen Stauräumen für Handgepäck weggeschlossen. Meines Erachtens ging es ja darum, dass die Einzelteile für Bomben an Bord der Maschinen zusammengebaut werden könnten.
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