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Eisenbahn Testrennen mit Passagieren

aus DER SPIEGEL 42/1993

Japanische Eisenbahner fürchten um Leib und Leben. Bei den neuen Superzügen »Nozomi«, so behaupten Gewerkschafter, gäbe es beinahe täglich Unfälle und Pannen; in dem Zug würden Bolzen brechen, Türen klemmen, Schweißnähte platzen und beim Spitzentempo 270 zwischen Tokio und Hakata Fensterscheiben von den Häusern neben der Strecke bersten. Die Rennfahrt mit bis zu 1400 Passagieren an Bord könnte zur »Tragödie« werden, warnen die Gewerkschafter in einer großformatigen Anzeige in der New York Times und fordern, die Bahngesellschaft J. R. Central solle die »Testrennen mit Passagieren« beenden. Der Eklat ist einzigartig. Die japanischen Eisenbahnen gelten als die sichersten der Welt, seit Einführung der Shinkansen-Züge 1964 gab es keinen schweren Unfall. Der »Nozomi« (Hoffnung) ist der Stolz der Nation. Noch nie zuvor haben Japaner ihre eigene Firma öffentlich so bloßgestellt, schon gar nicht durch Anzeigen im Ausland. Gewerkschaftschef Masao Sato erklärt die Aktion: Er wolle die Leute nur vor einem großen Unglück warnen. Japanische Zeitungen seien jedoch abgeneigt, solche Meinung abzudrucken.

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