Teure Energie Verbraucherschützer rechnen mit Gaspreishoch bis zum Frühjahr

Zum Winteranfang wird Gas an vielen Orten noch teurer. Die wenigen Versorger, die jetzt Gebühren senken, haben sie zuvor erhöht. Verbraucherschützer fürchten, dass das Preishoch bis zum Frühjahr anhält. SPIEGEL ONLINE zeigt, mit welchem Anbieter Sie jetzt Geld sparen können.

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Hamburg - Der Winter kommt, die Nächte werden kälter - doch eine warme Wohnung erscheint aufgrund der Rekordpreise fast wie Luxus. Vor allem wenn man mit Gas heizt, gefriert einem beim Blick auf die Heizkostenabrechnung schier das Blut in den Adern.

Gasverdichterstation bei Erfurt: Keine signifikanten Preissenkungen bis zum Frühling
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Gasverdichterstation bei Erfurt: Keine signifikanten Preissenkungen bis zum Frühling

Durchschnittlich 20.000 kWh Gas verbraucht eine drei- bis vierköpfige Familie im Jahr. Im Oktober musste sie für diese Menge im Schnitt 1571 Euro zahlen, berichtet das unabhängige Verbraucherportal Verivox.de. Anfang 2008 waren es noch 1361 Euro - das entspricht einer Steigerung von rund 15,4 Prozent.

Das Ende des Preishochs ist noch lange nicht absehbar: 75 regionale Anbieter haben laut Verivox zum 1. November ihre Preise noch einmal erhöht, viele von ihnen verlangen über ein Zehntel mehr Gebühren. Dutzende weitere wollen zum 1. Dezember oder zum 1. Januar die Preise erhöhen.

Nur wenige Versorger wollen dagegen ihre Kunden entlasten. Bis zum 7. November kündigten gerade 24 von ihnen Preissenkungen an - das sind nur etwa drei Prozent der insgesamt rund 750 Anbieter. Und diese geben oft nicht an, wie viel weniger sie konkret verlangen wollen (siehe Tabelle 1).

Am Dienstagvormittag hat nun auch der Essener Energiekonzern RWE Chart zeigen seinen Kunden eine Gaspreissenkung für Anfang kommenden Jahres in Aussicht gestellt. Zum Umfang wollte sich Finanzchef Rolf Pohlig aber ebenfalls nicht äußern.



Nach Meinung von Verbraucherschützern sind die Preissenkungen zwar begrüßenswert - aber dennoch Mogelpackungen. Viele Versorger, die jetzt Nachlässe gewähren, haben ihren Kunden zuvor starke Aufschläge zugemutet. Die meisten erhöhten ihre Gaspreise seit Jahresbeginn um 20 bis 30 Prozent.

Die jetzigen Senkungen gleichen das nicht aus. Für Januar taxiert Verivox den durchschnittlichen Gaspreis auf 1578 Euro für 20.000 kWh. Gerade fünf der 24 Preissenker werden mit ihren Gebühren diesen Durchschnittswert unterschreiten. Bei allen anderen kosten 20.000 kWh zwischen 1600 und 1800 Euro - und damit überdurchschnittlich viel.

Diese Rechnung gilt in Teilen auch für den Versorger EnBW Chart zeigen. Das Unternehmen teilte auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage mit, dass es alle Tarife, die zum 1. November erhöht wurden, zum 1. Januar in einem vergleichbaren Umfang wie der Tarif ErdgasPlus wieder gesenkt werden. Das entspräche einer Senkung von vier Prozent. Demgegenüber stehen teils saftige Erhöhungen. So hat EnBW den Tarif Erdgas Flex Online zum 1. November von 1342 auf jetzt 1602 Euro erhöht. Das entspricht einer Preissteigerung von 19,3 Prozent.

Signifikante Preissenkungen erst im Frühjahr

Auch in den kommenden Monaten können die meisten Kunden offenbar nicht mit Entlastungen rechnen. Thorsten Kasper, Energiefachmann beim Verbraucherzentrale Bundesverband, rechnet erst mit deutlichen Preisnachlässen, wenn es draußen wieder wärmer wird - und folglich weniger geheizt werden muss.

"Es steht zu befürchten, dass die Preissenkungen, die aufgrund des sinkenden Ölpreises eigentlich anstehen müssten, bis ins Frühjahr verschleppt werden", sagt Kasper SPIEGEL ONLINE. Auch Verivox rechnet erst im März und April mit deutlichen Kostennachlässen.

Der Gaspreis ist in Deutschland an den Ölpreis gekoppelt. Preissteigerungen und -senkungen werden mit einer Verzögerung von ungefähr sechs Monaten wirksam (nähere Hintergründe siehe Info-Box). Der Ölpreis hat sich seit Mitte Juli halbiert. Damals stand er noch auf einem Rekordhoch von rund 147 Dollar pro Barrel (159 Liter). Aktuell tendiert die Referenzsorte WTI um die 65 Dollar.

Verbraucherschützer kritisieren die uneinheitliche Preispolitik der Energieversorger. Bei einem Anstieg des Ölkurses werde der Gaspreis zügig angeglichen, bei einem Absinken komme es dagegen oft zu Verzögerungen, monieren sie. Die Energieversorger begründen das oft damit, dass sie unnötig vielen Preisanpassungen vorbeugen wollen. Würde der Ölkurs in absehbarer Zeit wieder steigen, müsste man die Gaspreise erneut korrigieren - wovon auch der Verbraucher nichts hätte.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos forderte die Versorger jetzt dennoch auf, schnell auf den Verfall des Ölkurses zu reagieren. Die Anbieter müssten die Preise noch vor Wintereinbruch senken, sagte der CSU-Politiker am Montag der "Bild"-Zeitung. "Man darf nicht nur schnell reagieren, wenn die Preise erhöht werden", sagte Glos. Sonst entstehe der Eindruck, dass die Preise über den Winter hochgehalten werden sollten.

Geld sparen durch Anbieterwechsel

Verbraucherschützer raten, nicht allzu stark auf in die Wirksamkeit solcher Appelle zu hoffen. Eher sollten Kunden selbst aktiv werden. Sie wollten überprüfen, ob sie bei ihrem derzeitigen Anbieter schon den günstigsten Tarif gebucht hätten, rät ein Verivox-Sprecher. Diese Tarife böten die meisten Unternehmen nicht von sich aus an. Auch der Wechsel zu einem anderen Anbieter könne viel Geld sparen. "Allmählich nimmt der Wettbewerb unter den Gasversorgern zu", sagte der Sprecher.

Anbieterwechsel - so funktioniert's
In wenigen Minuten zum Ziel
Der Wechsel des Stromanbieters ist sehr einfach. Für die Formalitäten braucht man nur wenige Minuten. Im Kern gilt das Gleiche auch für Gaskunden. Wechselwillige Kunden sollten Folgendes beachten.
Verbrauch ermitteln
Als Erstes sollte man seinen individuellen Jahresverbrauch ermitteln. Am einfachsten geht das über die letzte Rechnung. Wichtig: Es kommt nicht auf den Betrag in Euro an, sondern auf den Verbrauch in Kilowattstunden (kWh). Wer die letzte Rechnung nicht mehr findet, kann seinen jährlichen Strombedarf zur Not auch anhand des Verbrauchs der letzten Monate hochrechnen.
Die Suche nach dem passenden Anbieter
Nun beginnt die Suche nach dem günstigsten Anbieter. Eine wichtige Hilfestellung bieten dabei unabhängige Verbraucherportale wie www.toptarif.de, www.verivox.de, www.stromtarife.de, www.check24.de oder www.verbraucherzentrale.de. Auf diesen Seiten finden sich Tarifrechner, in die man nur zwei Werte eingeben muss: seine Postleitzahl und seinen jährlichen Stromverbrauch in Kilowattstunden. Der Tarifrechner bietet dann eine Übersicht sämtlicher Anbieter, die in dieser Region verfügbar sind.
Die Auswahl
Jetzt kommt der entscheidende Schritt - die Wahl des neuen Anbieters. Dabei sollte man Folgendes beachten: Der günstigste ist nicht automatisch der beste. So warnen Verbraucherschützer vor Unternehmen, die Vorkasse verlangen. Auch sollte man sich nicht zu lange an einen Anbieter binden - Vertragslaufzeiten von zwei Jahren also lieber meiden. Allen anderen Unternehmen darf man getrost Vertrauen entgegenbringen.
Ökoanbieter
Wer möchte, kann sich an dieser Stelle auch für einen Ökostromanbieter entscheiden. Diese Unternehmen garantieren grünen Strom aus erneuerbaren Energien, ohne Kohle und Kernkraft. Nach Angaben der Verbraucherschützer sind Ökostromprodukte in zwei Dritteln der Städte sogar billiger als die der ortsüblichen Grundversorger.
Die Formalitäten
Nun muss man mit dem neuen Anbieter nur noch Kontakt aufnehmen. Häufig ist das direkt über das Verbraucherportal möglich - entweder per Mausklick oder per Telefon. Der neue Anbieter klärt dann sämtliche Formalitäten. Eine Abmeldung beim alten Versorger ist nicht nötig, auch das übernimmt das neue Unternehmen automatisch. Nur eine Sache sollte man beachten: Die Vertragslaufzeit beim alten Anbieter muss eingehalten werden. Wer seit acht Monaten in einem Jahresvertrag ist, muss eben noch vier Monate warten.
Die Technik
Technisch ist der Anbieterwechsel überhaupt kein Problem. Das physikalische Produkt Strom bleibt in jedem Fall dasselbe, eine Unterbrechung der Versorgung ist ausgeschlossen. Dass man einen neuen Anbieter hat, merkt man nur daran, dass die Rechnung von einem anderen Unternehmen kommt als bisher. Übrigens: Selbst wenn der neue Anbieter pleitegehen sollte, bekommt man weiterhin Strom. In diesem Fall ist der örtliche Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen.
Wie lange dauert der Anbieterwechsel?
Seit April 2012 können Strom- und Gaskunden schneller den Anbieter wechseln. Sobald die Anmeldung beim Netzbetreiber erfolgt ist, dürfen laut Energiewirtschaftsgesetz nur noch drei Wochen verstreichen, bis die Strom- oder Gaslieferung durch den neuen Anbieter beginnt. Starttermin muss nicht der Monatserste sein - jeder Tag ist möglich. Dauert die Umstellung länger als drei Wochen, kann der Kunde Schadenersatz vom Lieferanten oder Netzbetreiber fordern.
Ich habe eine Nachtspeicherheizung. Kann ich auch den Anbieter wechseln?
In den meisten Fällen leider nicht. "In vielen Regionen gibt es nur einen Anbieter, der die Betreiber von Nachtspeicherheizungen beliefert", sagt ein Verivox-Sprecher. Durch den mangelnden Wettbewerb kommt es öfter zu überdurchschnittlichen Preiserhöhungen. Im vergangenen Jahr sind beispielsweise in Baden-Württemberg die Preise um bis zu 30 Prozent gestiegen. Die Bundesregierung tut dagegen wenig, denn es ist politisch gewollt, dass stromfressende Nachtspeicherheizungen nach und nach ausrangiert werden.
Grundsätzlich sollte man beim Wechsel des Energieanbieters einige Faustregeln berücksichtigen. Kunden sollten zum Beispiel darauf achten, dass im neuen Vertrag eine Preisgarantie für mindestens ein halbes Jahr steht. Außerdem sollte man nicht per Vorkasse bezahlen und keine Kaution hinterlegen (siehe Info-Box).

Wo kostet Gas wie viel? SPIEGEL ONLINE gibt den Überblick.



insgesamt 3543 Beiträge
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Seite 1
schlob 27.07.2008
1.
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Die Grünen haben mit Biosprit 1 schon einige zigtausend an Hungertoten zu verantworten.-und schlagen sich jetzt in die Büsche.- - Nun kommen noch Kältetote dazu-und zahlreiche Tote,durch Erkältungen,die zum Tode führen.- Man darf gratulieren. Die Grünen Vollblutdilettanten hinterlassen ein Spur des Grauens.- Seit 1950 hat man etwas derartiges von Verantwortungslosigkeit nicht mehr gesehen,..
rkan 27.07.2008
2. Hängt vom Wetter ab...
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Jedenfalls ist es nicht zumutbar, dass wieder einmal die immer weniger Normalverdiender mit noch höheren Preisen Sozialtarife subvebtionieren.
JJCoolman, 27.07.2008
3.
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Völlig falscher Ansatz. Einfach ordentlich Holz und Kohle verfeuern, dann klappt das auch mit dem Klimawandel, ergo: Die Winter werden wärmer und man braucht nicht mehr soviel zu heizen. So einfach ist das. Oder doch nicht...?
Einbauschrank, 27.07.2008
4.
Zitat von sysopPolitiker schlagen Alarm: Wegen der exorbitant gestiegenen Energiepreise würden im Winter Schreckens-Szenarien drohen. Können es sich viele Deutschen nicht mehr leisten, ihre Wohung ausreichend zu heizen, müssen sie frieren? Können längere Laufzeiten bei AKWs helfen? Welche anderen Möglichkeiten zur Abschwächung der Folgen gibt es?
Pullover und lange Unterhosen anziehen. Ich habe im letzten Jahr an vielleicht zwei Wochen die Heizung eingeschaltet. Dafür habe ich mich über eine saftige Rückzahlung gefreut.
GenBurk 27.07.2008
5.
Ich glaube kaum, dass in Deutschland irgendjemand frieren muss, gar von Kältetoten zu sprechen ist übertrieben und purer Populismus. Ob eine Verlängerung der AKW Laufzeiten Sinn macht kann so spontan niemand sagen, dafür gibt es Experten. Bloß man sollte nicht in blindem Aktionismus eine längere Laufzeit ausschließen.
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