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Teure Härtefälle

aus DER SPIEGEL 51/1990

Bundesarbeitsminister Norbert Blüm hatte 1989 sogar einen Krieg mit den Taxifahrern riskiert: Um die Finanzen der Krankenkassen zu schonen, strich der Arbeitsminister in der Gesundheitsreform den Patienten die Taxifahrt zum Krankenhaus oder zum Arzt. Zur Verwirrung der Gesundheitsbürokraten und Kassenexperten sanken die Ausgaben für Fahrtkosten 1990 aber nicht, sie stiegen in den ersten drei Quartalen um 10,3 Prozent. In einer Analyse für ihren Chef machten die Beamten jetzt zwei Ursachen für den unerwünschten Effekt aus. Mehr und mehr sammeln die Patienten so viele Taxi-Quittungen für Fahrten zum Arzt oder ins Krankenhaus, daß sie zu »Härtefällen« werden. Übersteigt die Summe ihres Eigenanteils an Arzneikosten plus selbstbezahlten Taxifahrten zwei Prozent ihres Einkommens, muß die Kasse alle darüber hinausgehenden Lasten tragen. Ein Blüm-Beamter: »Dann fällt jede Zurückhaltung.« Der zweite Trick: Die Patienten lassen sich von Krankenwagen statt Taxis chauffieren. Dafür werden sie nur mit einem Eigenanteil von 20 Mark belastet. Die darüber liegenden Kosten, über 100 Mark pro Fahrt, zahlt die Kasse.

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