Hamsterkäufe für den Winter Teure Heizlüfter verschärfen Gasmangel

Die Mitteilungen über steigende Gaspreise überfluten die Briefkästen. Die Reaktion der Deutschen: Hamsterkäufe bei Heizlüftern. Die Folge: mehr Schaden als Nutzen.
Gasheizung: »Am Ende doch günsgtiger«

Gasheizung: »Am Ende doch günsgtiger«

Foto: Thomas Trutschel / photothek / IMAGO

Hunderttausende Haushalte in Deutschland kaufen Heizlüfter, um sich angesichts der steigenden Gaspreise auf den kalten Winter vorzubereiten. Im ersten Halbjahr 2022 wurden hierzulande 600.000 der strombetriebenen Heizlüfter angeschafft, ermittelte das Marktforschungsunternehmen GfK. Doch das könnte am Ende teurer werden und zu einem höheren Gasverbrauch führen als das Wärmen mit wesentlich effizienteren Gasheizungen, das zeigt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman.

Sollten Heizlüfter in großer Zahl zum Einsatz kommen, müssten die Energieversorger den zusätzlichen Strom zu großen Teilen in Gaskraftwerken erzeugen, heißt es in der Mitteilung der Strategieberatung. Die Heizlüfter würden die Rohstoffknappheit eher verstärken als mildern. Schlimmstenfalls drohten sogar lokale Stromausfälle aufgrund einer Überlastung der Netze.

Problematisch sei vor allem, dass Heizlüfter weniger effizient Wärme lieferten als übliche Gasheizungen, sagt Jörg Stäglich, Leiter der europäischen Energy & Natural Resources Practice und globaler Leiter des Bereichs Energieversorger bei Oliver Wyman: »Ihr Einsatz ist für Haushalte damit teurer als konventionelles Heizen.« Um dieselbe Wärme zu erzeugen, benötige ein Heizlüfter über den Umweg der Stromproduktion in Gaskraftwerken doppelt so viel Gas wie Thermen, die es direkt verfeuern. »Es droht ein Teufelskreis«, sagt Stäglich. »Wenn wir vermehrt Gas zur Verstromung einsetzen müssen, verknappt sich die in Deutschland verfügbare Gasmenge weiter und der Gaspreis steigt.«

Heizlüfter fressen Strom

Angenommen, 30 bis 50 Prozent der 20 Millionen deutschen Haushalte mit einer Gasheizung würden auf Heizlüfter zurückgreifen, um die Wohnung im Winter warmzuhalten oder zumindest eine abgesenkte Raumtemperatur zu kompensieren: Dann würde die Stromnachfrage in Spitzenzeiten um bis zu 25 Prozent steigen, rechnen die Experten vor. Gleichzeitig entstünde allein im Februar ein zusätzlicher Gasbedarf von 2,5 Terawattstunden. Damit ließen sich – den jahreszeitlichen Durchschnittsbedarf zugrunde gelegt – bis zu 1,3 Millionen Haushalte durch Gasthermen beheizen.

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Dabei verursacht allein der Stromverbrauch der Geräte enorme Kosten. Wer seinen Heizlüfter mit 2000 Watt Leistung täglich für nur vier Stunden anschaltet, müsse im Vergleich zur Gastherme mit Mehrkosten von bis zu 180 Euro im Monat rechnen, resümiert die Strategieberatung. »Die Nutzung von Heizlüftern ist damit weder energiewirtschaftlich noch ökonomisch oder politisch sinnvoll«, sagt Fritz. Die Kosten hängen dabei von den aktuellen Strom- und Gasverträgen der Haushalte ab.

pam
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