Teures Edelmetall Goldpreis knackt 1000-Dollar-Marke

Rohstoffpreise auf Rekordkurs: In London kostete das Gold heute so viel wie nie zuvor. Für eine Feinunze wurden zwischenzeitlich über 1000 Dollar fällig. Zuvor hatte schon der Ölpreis ein neues Allzeithoch erreicht.


Hamburg - In unsicheren Zeiten flüchten sich Anleger in Rohstoffe: Eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) kostete heute in London zwischenzeitlich 1000,45 Dollar. Zuvor hatte schon der Ölpreis eine neue Rekordmarke geknackt. Ein Barrel Öl kostete zwischenzeitlich über 110 Dollar.

Goldbarren in der HSBC: Der schwache Dollar macht den Rohstoff attraktiv
REUTERS

Goldbarren in der HSBC: Der schwache Dollar macht den Rohstoff attraktiv

Steigende Inflationsraten und die anhaltende Sorge um die US-Wirtschaft fachen die Nachfrage nach Gold an, wie James Moore, Goldanalyst von Bullion Desk in London, erklärt. Der schwache Dollar treibt die Preise zusätzlich an. Für Anleger außerhalb des Dollarraumes sind Käufe in der US-Währung derzeit besonders attraktiv. Deshalb glaubt etwa Michael Lewis, Leiter des Rohstoffresearch bei der Deutschen Bank, dass die Rohstoffpreise weiter steigen werden. "Ich glaube, dass es noch weiteres Aufwärtspotenzial für Gold und Edelmetalle insgesamt gibt. Die Fed wird weiterhin für ein sehr negatives Zinsumfeld sorgen, und das ist gut für Gold."

Der Goldpreis hatte erst vor wenigen Wochen sein lange Zeit gültiges Allzeithoch von etwa 850 Dollar übersprungen, das er im Jahr 1980 erreicht hatte. Danach war er über fast 30 Jahre teils auf unter 300 Dollar gesunken.

Die aktuelle Nachfrage kommt unter anderem aus China und Indien, wo derzeit auch verstärkt Schmuck gekauft wird. Im Jahr 2008 stieg der Goldpreis insgesamt bereits um rund 17 Prozent, auch aufgrund von Lieferschwierigkeiten im weltweit größten Goldlieferland Südafrika.

Während die Rohstoffpreise von einem Rekord zum nächsten jagen, ist die US-Währung so schwach wie nie . Am Vormittag war ein Euro zwischenzeitlich über 1,56 Dollar wert. Und nicht nur gegenüber dem Euro verlor der Dollar dramatisch an Wert. In der Schweiz näherte sich die US-Valuta mit 1,0054 Franken immer weiter der Paritätsgrenze. In Japan sank der Dollar erstmals seit November 1995 unter 100 Yen.

An den Börsen in aller Welt sorgt die Furcht vor einer US-Rezession für kräftige Kursverlusten. Die jüngsten Zahlen des US-Handelsministeriums taten ihr Übriges: Der private Konsum sank im Februar um 0,6 Prozent und damit stärker als die von den Analysten erwarteten 0,2 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis zum Nachmittag rund 2,9 Prozent, der MDax und der TecDax jeweils knapp über drei Prozent.

Die Wall Street in New York eröffnete ebenfalls mit deutlichen Verlusten. Der Dow-Jones-Index verlor zu Handelsbeginn 1,59 Prozent auf 11.917,46 Punkte. Auch die Kurse in Asien und an den anderen europäischen Börsen zeigten steil nach unten. In Japan sackte der Nikkei-Index auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren und verlor bis Handelsschluss 3,33 Prozent. Noch schlimmer erwischte es die Börse in Hong Kong. Dort rauschte der Hang-Seng-Index 4,8 Prozent in die Tiefe. Auch in Australien verloren die Börsen über zwei Prozent, ebenso in Malaysia, Südkorea und Taiwan. In Indien und Indonesien rutschten die Indizes sogar um mehr als vier Prozent ab.

Damit ist offensichtlich: Die Rettungsaktion der großen Notenbanken ist schnell verpufft. Dabei hatten die Währungshüter unter Führung der US-Fed den Geschäftsbanken 200 Milliarden Dollar an Liquidität zugesagt - eine gewaltige Summe. Die Europäische Zentralbank zeigt wegen gestiegener Inflation dagegen keine Bereitschaft, das Zinsniveau zu senken. Das macht Geldanlagen in Europa zunehmend attraktiv.

ase/Ap/Reuters



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