800.000-Euro-Spende Neue Anklage - was Middelhoff nun droht

Im November wurde Thomas Middelhoff zu drei Jahren Haft verurteilt, nun droht ihm ein weiteres Strafverfahren. Wieder geht es um Untreue - doch so hart wie beim ersten Mal dürfte die Strafe nicht ausfallen, erklärt Expertin Annette Rosskopf.
Ex-Karstadt-Chef Middelhoff: Die Höhe der Summe ist nicht ausschlaggebend

Ex-Karstadt-Chef Middelhoff: Die Höhe der Summe ist nicht ausschlaggebend

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
Zur Person

Annette Rosskopf ist promovierte Rechtsanwältin in der Münchner Kanzlei Rechtsanwälte Prof. Dr. Volk. Sie ist auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisiert.

SPIEGEL ONLINE: Die Staatsanwaltschaft Bochum hat eine weitere Anklage gegen Thomas Middelhoff eingereicht. Im ersten Verfahren wurde er Mitte November zu drei Jahren Haft verurteilt, auch diesmal geht es wieder um Untreue. Droht dem Ex-Karstadt-Chef noch eine Verurteilung?

Rosskopf: Das ist durchaus möglich, aber bis dahin ist es ein sehr weiter Weg. Bisher hat die Staatsanwaltschaft nur eine Anklage beim Gericht eingereicht. Nun bekommt Herr Middelhoff die Möglichkeit der Stellungnahme. Erst dann wird das Gericht entscheiden, ob überhaupt ein hinreichender Tatverdacht besteht, und ein Hauptverfahren eröffnet wird.

SPIEGEL ONLINE: Im vorigen Verfahren ging es um private Flüge auf Firmenkosten und eine Festschrift für einen Freund, die Middelhoff auf Firmenkosten abgerechnet hat. Diesmal geht es um einen Sponsoring-Vertrag mit der Universität Oxford, für den es laut Staatsanwaltschaft keine Gegenleistung gab.

Rosskopf: Das sagen die Staatsanwälte bei Sponsoringvorwürfen natürlich immer. Um beurteilen zu können, ob es wirklich keine Gegenleistung gab, muss man sich die Verträge genau anschauen. Waren die Konditionen marktüblich? Hatte das Unternehmen vielleicht doch Vorteile, etwa weil es durch das Sponsoring leichter an die begehrten Absolventen der Universität ran kam? Untreue wäre es jedenfalls nur, wenn Herr Middelhoff seine Pflichten gravierend verletzt hätte.

SPIEGEL ONLINE: Middelhoff hat im Zuge des Sponsoring-Vertrags einen Posten an der renommierten Universität erhalten. Diente das nicht genauso der Befriedigung seiner Eitelkeit wie die Hubschrauberflüge über das Kamener Kreuz im vorigen Fall?

Rosskopf: Es ist ja möglich, dass Herr Middelhoff den Posten übernommen hat, um Zugang zu Absolventen für sein Unternehmen zu gewinnen. Das hätte dann Nichts mit persönlicher Bereicherung zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Die Summe, um die es geht, ist ähnlich hoch wie im vorigen Verfahren: 800.000 Euro. Heißt das, dass auch das Strafmaß ähnlich hoch ausfallen könnte?

Rosskopf: Das glaube ich nicht. Die Höhe der Summe allein sagt nichts über das Strafmaß aus. Viel eher kommt es zum Beispiel darauf an, ob sich der Angeklagte persönlich bereichert hat. Anders als bei den Vorwürfen um die Privatreisen war dies ja beim Sponsoring offenbar nicht der Fall.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, zu den drei Jahren, die Middelhoff schon jetzt bekommen hat, kommen keine weiteren drei Jahre hinzu?

Rosskopf: Das erscheint mir ausgeschlossen. Ich finde das erste Urteil schon hart. Ein Urteil in einem möglichen zweiten Verfahren wird vermutlich milder ausfallen, wenn es tatsächlich keine persönliche Bereicherung gab. Zudem würde man die einzelnen Strafen dann zu einer angemessenen Gesamtstrafe zusammenfassen, aber nicht einfach addieren, das darf man in Deutschland gar nicht. Sechs Jahre für Middelhoff wird es also nicht geben.

Das Interview führte Stefan Kaiser
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