Krise beim Stahlriesen Beitz will Chef der Krupp-Stiftung bleiben

Trotz seiner 99 Jahre denkt Berthold Beitz noch nicht an Rückzug. Er werde Chef der Krupp-Stitung, solange er könne, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Crommes Rücktritt rechtfertigte er. In den Kreisen der Firma habe sich in den vergangenen Jahren "Größenwahn" abgezeichnet.
Krupp-Patriarch Berthold Beitz: Will den Vorsitz der Krupp-Stiftung behalten

Krupp-Patriarch Berthold Beitz: Will den Vorsitz der Krupp-Stiftung behalten

Foto: dapd

München/Essen - Der 99-jährige Berthold Beitz will an der Spitze der Essener Krupp-Stiftung bleiben und keinen Nachfolgekandidaten nominieren. "Ich mache weiter, solange ich das kann und noch klar im Kopf bin", sagte Beitz der "Süddeutschen Zeitung". Die Stiftung ist mit 25,3 Prozent der Anteile größter Einzelaktionär des Stahlriesens, der zuletzt vor allem wegen misslungener Auslandsgeschäfte Milliardenverluste einfuhr und mit Korruptions- und Kartellvorwürfen zu kämpfen hatte. Auch Beitz war deshalb in die Kritik geraten.

Zum Rücktritt des bisherigen ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme sagte Beitz: "Über Jahre habe ich gehört, bald werde alles besser, aber es wurde immer schlimmer. Ich musste einfach handeln." In Kreisen der Firma habe sich in den vergangenen Jahren "Größenwahn" abgezeichnet.

Cromme hatte am 8. März überraschend seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp angekündigt und will auch sein Amt als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der mächtigen Krupp-Stiftung niederlegen. Noch im vergangenen Dezember hatte Beitz versichert: "Cromme bleibt". Am Dienstag soll der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner die Nachfolger Crommes als ThyssenKrupp-Aufsichtsrat antreten. Aktionärsvertreter kritisieren die Wahl bereits: Ein echter Neuanfang sei mit ihm nicht möglich, sie hätten sich einen Kandidaten von außen gewünscht.

"Es wird keinen neuen Beitz mehr geben"

Beitz ist seit 1968 Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung. Er war vom letzten Krupp-Eigentümer, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, eingesetzt worden. Nach seinem Ausscheiden werde die Stiftung eine neue Struktur bekommen, sagte Beitz der "Süddeutschen Zeitung". Künftige Vorsitzende würden wie bei anderen Stiftungen auch vom Kuratorium gewählt; dessen Vorsitzender sollte nicht auch Chef des Konzerns sein. "Schon deshalb wird es keinen neuen Beitz mehr geben." Er widersprach Spekulationen, seine eigene Tochter könne ihm als Kuratoriumsvorsitzende nachfolgen: "Das ist ausgeschlossen."

Ein Krupp-Nachfahre gab Beitz unterdessen die Schuld für die Probleme des angeschlagenen Stahlriesen. "Wenn jemand zu verantworten hat, wie negativ sich der Konzern entwickelt hat, dann einzig Berthold Beitz", sagte Friedrich von Bohlen und Halbach dem Nachrichtenmagazin "Focus". Beitz sei seit mehr als einem halben Jahrhundert an herausragender Stelle bei Krupp tätig und verantwortlich für den "bedauerlichen Zustand" des Konzerns. Beitz habe Aufsichtsratschef Cromme fallen gelassen, "um sich selbst zu schützen".

Friedrich von Bohlen und Halbach ist ein Neffe des 1967 gestorbenen letzen Firmeninhabers Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Er liegt seit langem im Streit mit Beitz. In den neunziger Jahren hatte er mit anderen Krupp-Nachfolgern vergeblich versucht, für die Familie vor Gericht das Recht zu erstreiten, drei Kuratoriumsmitglieder zu bestellen. Das Verfahren ging bis zum Bundesgerichtshof.

irb/dpa
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