Milliardenprojekt der Deutschen Bahn Darum soll Frankfurts Bahnhof unter die Erde

Pünktlichkeit, Zeitersparnis, verkürzte Fahrzeiten: Mit einem neuen Tiefbahnhof und einem Fernbahntunnel in Frankfurt am Main will die Bahn gleich eine ganze Reihe von Problemen lösen. Als Vorbild dient Zürich.
Frankfurter Hauptbahnhof (2018): Als Kopfbahnhof verursacht er häufig Verspätungen mit bundesweiten Auswirkungen

Frankfurter Hauptbahnhof (2018): Als Kopfbahnhof verursacht er häufig Verspätungen mit bundesweiten Auswirkungen

Foto: Andreas Arnold/ picture alliance/dpa

Die Deutsche Bahn will einen Fernbahntunnel und einen Tiefbahnhof in Frankfurt am Main bauen. Eine 2019 vom Bund beauftragte Studie habe die technische Machbarkeit des Tunnels bestätigt, die Bahn beginne jetzt mit der konkreten Planung, erklärte der Konzern am Montag. Die Bauzeit im Anschluss betrage etwa zehn Jahre. Die Kosten werden auf 3,6 Milliarden Euro geschätzt.

Mit dem Tunnel sollen die meisten Fernzüge dann den Hauptbahnhof 35 Meter unter der Erde anfahren und an der neuen Station Hauptbahnhof tief halten. Als Durchgangsverbindung sorge der Tunnel für eine Entlastung der momentan stark befahrenen überirdischen Gleise, erklärte die Bahn. Die Fahrgäste im Verkehrsknoten Frankfurt seien dadurch verlässlicher und schneller unterwegs. Gleichzeitig könnten deutlich mehr Züge den Hauptbahnhof ansteuern. Vom größeren Angebot profitiere auch der Nahverkehr der Rhein-Main-Region. Als Kopfbahnhof verursacht der Frankfurter Hauptbahnhof bislang häufig Verspätungen mit bundesweiten Auswirkungen. Das Vorhaben soll die Engstelle auflösen.

»Riesiger Fortschritt«

DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla nannte den geplanten Tunnel »ein weiteres wichtiges Element für den Deutschlandtakt«, der die Metropolen in einem 30-Minuten-Rhythmus verbinden soll. Dank des neuen Tunnels mit zwei unterirdischen Gleisen und vier Bahnsteigen erhöhe die Bahn die Kapazität im Knoten Frankfurt von 1250 auf 1500 Züge pro Tag. »Das ist eine Steigerung um 20 Prozent.« Damit stärke die Bahn die Schiene für die dringend notwendige Mobilitäts- und Klimawende in der Messestadt Frankfurt am Main und in Deutschland.

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) erklärte, der Tunnel wäre »ein riesiger Fortschritt für den Bahnknoten Frankfurt«. Er werde dringend gebraucht, um die Mobilität in der Region Frankfurt-Rhein-Main zu verbessern. Auch die Fahrzeiten verkürzten sich damit.

Die Deutsche Bahn ermittelt jetzt in der Planung, wo genau der neue Fernbahntunnel am besten verläuft, wie und wo er konkret mit bestehenden Bahnstrecken verbunden wird und an welcher Stelle der künftige Tiefbahnhof seinen besten Platz hat, wie der Konzern mitteilte. Die erste Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger findet an diesem Montag statt.

Es gab schon mehrmals Entwürfe für einen Tiefbahnhof in Frankfurt am Main. Vor 25 Jahren etwa war das Projekt »Frankfurt 21« diskutiert worden – ähnlich wie in Stuttgart sollte der Kopfbahnhof damals durch einen Tiefbahnhof ersetzt werden. Das Vorhaben wurde im Jahr 2001 wegen Geldmangels zu den Akten gelegt. Die jetzige Planung orientiert sich am Zürcher Vorbild, wo ebenfalls ein Tunnel unter dem oberirdischen Kopfbahnhof entstanden ist.

In einer Resolution hatten sich 19 Verbände, Kommunen, Organisationen und Unternehmen für das Vorhaben ausgesprochen, darunter die Verkehrsverbünde RMV und NVV, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Fahrgastverband Pro Bahn. Die Fahrtzeit von Fernzügen werde verkürzt und Kapazitäten für zusätzlichen Regionalverkehr würden geschaffen, heißt es in dem Text. Auch der Güterverkehr profitiere durch die Beseitigung des Nadelöhrs Frankfurt.

»Mit einer solchen Ergänzung zum oberirdischen Frankfurter Hauptbahnhof sind die zukünftigen Anforderungen an einen leistungsstarken Eisenbahnverkehr erreichbar«, heißt es in der Resolution. Die Schieneninfrastruktur sei schon heute überlastet, weshalb ein Ausbau des Frankfurter Knotens auch für ein Wachstum des Nahverkehrs unbedingt erforderlich sei. Andere geplante Ausbaumaßnahmen dürften aber weder gefährdet noch verzögert werden.

mik/dpa-AFX
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