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16. Januar 2009, 12:26 Uhr

Tiefrotes Quartal

Citigroup und Bank of America melden gigantische Verluste

Die Finanzkrise trifft die Citigroup und die Bank of America mit voller Wucht. Die größten US-Geldkonzerne schlittern mit Milliardenverlusten tief ins Minus. Der Citigroup steht nun die Aufspaltung bevor.

New York - Die Finanzkrise hat Amerikas Bankenbranche weiter fest im Griff: Die schwer angeschlagene US-Großbank Citigroup ist zum Jahresabschluss unerwartet tief in die roten Zahlen gerutscht. Im abgelaufenen Quartal sei ein Minus von 8,29 Milliarden Dollar oder 1,72 Dollar pro Aktie aufgelaufen, teilte das Institut am Freitag vor US-Börsenbeginn mit.

Citigroup-Filiale in New York: Mit acht Milliarden Dollar im Minus
REUTERS

Citigroup-Filiale in New York: Mit acht Milliarden Dollar im Minus

Für die Bank ist es bereits der fünfte Milliardenverlust in Folge. Ein Jahr zuvor hatte der Finanzkonzern bereits einen Verlust von 9,8 Milliarden Dollar eingefahren. Das Institut belasteten erneut Abschreibungen auf faule Kredite von mehr als sechs Milliarden Dollar. Hinzu kommt eine ebenso hohe Summe für befürchtete künftige Kreditausfälle. Die Erträge der Bank fielen im Schlussquartal um 13 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar.

Die Bank baute allein seit Ende September fast 30.000 Stellen ab. Insgesamt soll die Zahl der Beschäftigten nach bisherigen Plänen auf rund 300.000 sinken - rund 75.000 weniger als noch vor einem Jahr.

Im Gesamtjahr 2008 betrug der Verlust der Citigroup 18,7 Milliarden Dollar. Dies war das schlechteste Jahr in der Geschichte des vor gut zehn Jahren durch eine Mega-Fusion entstandenen Konzerns. 2007 hatte die Bank noch einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar erzielt. Mit der Erklärung enttäuschte die Citigroup die ohnehin schon verhaltenen Erwartungen der Experten. Analysten hatten im Schnitt mit lediglich mit einem Verlust von 1,32 Dollar je Aktie gerechnet.

Die Citigroup erklärte, sich in die beiden Bereiche Citi Holdings und Citicorp aufzuspalten. Dabei werde die Citicorp der universelle Bankenteil mit Einlagen von etwa 1,1 Billionen Dollar sein, was zwei Drittel der Gesamtanlagen der Bank entspreche. Der übrige Teil werde in die Citi Holdings ausgelagert. Der Schritt gilt als endgültiger Abschied vom Modell eines in allen Bereichen tätigen Finanzkonzerns. Damit wird zudem der Verkauf großer Teile der Bank vorbereitet.

Die anstehende Aufspaltung wurde an den Finanzmärkten positiv aufgenommen. Trotz der hohen Verluste gewann die Citigroup-Aktie im vorbörslichen Handel. "Dies ist der erste große Schritt zur Demontage des ganzen Imperiums", zeigte sich Michael Holland von Holland & Co in New York erfreut und ergänzte: "Zum ersten Mal seit langer Zeit haben wir Grund, positiv zu denken."

Erst Mitte der Woche hatte die US-Bank angekündigt, ihr Handelsgeschäft mit dem der Investmentbank Morgan Stanley zum größten Broker-Unternehmen der Welt zusammenzulegen. Die neue Sparte soll unter der Führung von Morgan Stanley stehen.

Bank of America enttäuscht die Märkte

Auch die Bank of America verzeichnete überraschend hohe Verluste. Im vierten Quartal sei wegen der Vorsorge für Kreditausfälle, Abschreibungen und Verlusten im Handelsgeschäft ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 215 Millionen Dollar angefallen, teilte die US-Großbank am Freitag in Charlotte mit. Experten hatten im vierten Quartal größtenteils mit einem Gewinn gerechnet.

Zur Begründung sagte das Institut, die Lage an den Finanzmärkten habe sich in den vergangenen drei Monaten des Jahres dramatisch verschlechtert. In den Zahlen zum vierten Quartal ist die Anfang des Jahres übernommene Investmentbank Merrill Lynch noch nicht enthalten. Diese hatte im vierten Quartal vorläufigen Zahlen zufolge einen Verlust von 15,3 Milliarden Dollar erlitten.

Die im September eiligst angekündigte Übernahme der Bank bringt auch die Bank of America immer stärker in Not. Der Staat musste dem Institut erst am Freitag erneut mit einer Kapitalspritze in Milliardenhöhe unter die Arme greifen.

Aus dem staatlichen Rettungspaket flössen weitere 20 Milliarden Dollar in bar, teilte das Finanzministerium am Freitag in Washington mit. Zudem garantiert der Staat für faule Anlagen in Höhe von 118 Milliarden Dollar, die der Bank of America im Wesentlichen zusammen mit Merrill Lynch zugefallen sind.

Aktien der Bank of America legten im vorbörslichen US-Handel um bis zu acht Prozent zu. Die hohen Verluste rückten angesichts des kolossalen Hilfspaketes für das Institut in den Hintergrund, sagte Martin Slaney, Leiter des Derivatehandels bei Global Forex Trading (GFT) in London.

suc/ssu/Reuters/dpa-AFX

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