Tierwohl-Debatte Sozialverband fordert Ausgleich bei steigenden Lebensmittelpreisen

Landwirtschaftsminister Özdemir will ein Ende von Dumpingpreisen für Lebensmittel und Agrarprodukte. In einem solchen Fall müsste auch die Sozialhilfe steigen, sagt der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Schneider ist Chef des Paritätischen Gesamtverbandes

Schneider ist Chef des Paritätischen Gesamtverbandes

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Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert einen sozialen Ausgleich für Arme, wenn Lebensmittel zum Schutz der Umwelt und bäuerlicher Betriebe teurer werden sollten – wie vom neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (B'90/Grüne) gefordert.

Der Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, sagte in der »Welt«, entsprechende Preissteigerungen müssten »zwingend mit einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze einhergehen. Man kann Ökologisches und Soziales nicht trennen. Es geht nur ökosozial, sonst verliert man die Unterstützung der Bevölkerung.«

Özdemir hatte zuvor in der »Bild am Sonntag« Dumpingpreise für Lebensmittel und Agrarprodukte angeprangert. »Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben. Sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern«, sagte er.

Dazu, ob ein sozialer Ausgleich geplant sei und wie er aussehen könnte, gab es von der Bundesregierung am Montag wenig Details. Eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit und Soziales verwies auf das im Koalitionsvertrag vereinbarte Bürgergeld, das an die Stelle von Hartz IV treten soll. Schon heute flössen in die Neuberechnung der Grundsicherung auch Preissteigerungen bei Lebensmitteln ein.

Auch die Union verlangte, das Soziale im Auge zu behalten. »Wir werden jedenfalls sehr genau auf die sozialen Auswirkungen achten, denn nicht jeder kann sich Bioprodukte leisten«, sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Steffen Bilger (CDU) der »Welt«. Der CDU-Politiker verwies auch auf einen möglichen Import günstigerer Lebensmittel aus dem Ausland .

Fragen zu den Auswirkungen höherer Preise von in Deutschland erzeugten Lebensmitteln für Im- und Export ließ das Bundeslandwirtschaftsministerium unbeantwortet. Bäuerinnen und Bauern in Deutschland brauchten bessere Preise, um bestehen zu können, sagte ein Sprecher. Vor allem Tierhalter benötigten eine bessere Perspektive. Er betonte zudem: »Es geht nicht darum, staatlich den Kilopreis von Fleisch oder vielleicht den Preis von einem Bund Möhren festzulegen.«

Özdemir hatte der »Bild am Sonntag« gesagt: »Klar: Lebensmittel dürfen kein Luxusgut werden. Doch der Preis muss die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken. Es gibt drei wichtige Ziele: ein sicheres und gutes Einkommen für unsere Bauern, gesundes Essen für uns alle sowie mehr Tierwohl, Klima- und Umweltschutz.«

sbo/dpa
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