SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

12. Oktober 2003, 15:20 Uhr

Toll Collect

Brummi-Branche rebelliert gegen Maut-Probebetrieb

Deutschlands Spediteure drohen den Testlauf für die geplante Lkw-Maut zu kippen und so den Start weiter zu verzögern. Im Bundesamt für Güterverkehr müssen währenddessen tausend Beamte Däumchen drehen: Sie sollten das Mautsystem verwalten und haben jetzt nichts zu tun.

Nichts ist super: Kfz-Elektriker mit On Board Unit
DPA

Nichts ist super: Kfz-Elektriker mit On Board Unit

Berlin - Nach der erneuten Verschiebung der Lkw-Maut haben Trucker für das Erfassungssystem nur noch Hohn und Spott übrig. Das Betreiberkonsortium Toll Collect heißt bei ihnen inzwischen "Tollhaus". Spediteur Josef Pieroth aus Bingen erzählt, was Kollegen mit dem Gerät im Lastwagen passiert sei: "Wenn die das Teil eingeschaltet haben, ist einfach der Motor ausgegangen."

"Das ist im Grunde nicht möglich", sagt dazu ein Sprecher von Toll Collect, der viele Geschichten dieser Art zu hören bekommt. Die Spediteure kann er damit nicht besänftigen. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Karlheinz Schmidt, sagte der "Bild am Sonntag": "Spediteure haben den Einbau der Mautsysteme gestoppt und defekte Geräte nicht durch neue ersetzt." Bei der letzten Befragung durch den Verband habe sich ergeben, dass nur jedes fünfzehnte Mautgerät funktioniert habe.

Damit gerät auch der Starttermin an Ostern 2004 in Gefahr. Offiziell ist der ohnehin nicht, da sich Toll Collect erfahrungsbedingt weigert, weitere konkrete Aussagen über den Zeitplan zu machen. Während der Chef des Konsortiums, Michael Rummel, nach SPIEGEL-Informationen vor der Ablösung steht, alle Hände voll zu tun hat, leiden die Beamten in der Abteilung 4 des Bundesamts für Güterverkehr an Unterbeschäftigung. Nach Recherchen der "BamS" sollten die Mitarbeiter eigentlich das Maut-Bezahlsystem kontrollieren. Insgesamt koste die Abteilung den Steuerzahler knapp 50 Millionen Euro im Jahr, 300 Kontrolleure seien neu eingestellt worden.

Auch für die beiden Geschäftsführer der Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft (VIGF), die über die Verwendung der Mauteinnahmen entscheiden soll, gibt es noch nicht viel zu tun. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Bund gehört und Verkehrsminister Manfred Stolpe unterstellt ist, wurde am 2. Oktober gegründet - drei Tage bevor der Politiker den Starttermin für die Maut verschob.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung