Top-Manager Der Kurs fällt, die Gehälter steigen

Von Konjunkturflaute ist in deutschen Manager-Kreisen nichts zu bemerken - zumindest was die eigene Geldbörse betrifft. Trotz Nullrunden für Beschäftigte, Stellenstreichungen, Kurssturz und Gewinnrückgang werden in vielen Unternehmen Gehaltserhöhungen für die Bosse großzügig verteilt.


Trotz Verlusten hat Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, gut lachen. Sein Gehalt: 6,9 Millionen Euro
DDP

Trotz Verlusten hat Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, gut lachen. Sein Gehalt: 6,9 Millionen Euro

Hamburg – Jürgen Schrempp verdoppelte sein Gehalt. Während bei Arbeitern und Angestellten vielerorts immer weniger auf den Lohnzettel steht, werden monatlich 131 Prozent mehr auf das Konto des DaimlerChrysler-Chefs überwiesen Auch seine zwölf Vorstandskollegen ließen sich diese satte Gehaltserhöhung vom Aufsichtsrat genehmigen. Jeder Daimler-Vorstand kassierte zuletzt im Durchschnitt 3,9 Millionen Euro.

DaimlerChrysler verlor zwar im vergangenen Jahr 39 Prozent des Börsenwerts. Die Spendierfreudigkeit in eigener Sache wurde dadurch nicht gebremst. Eine Erhöhung der Bezüge von Aufsichtsratsmitgliedern um 50 Prozent auf 75.000 Euro ist geplant. Das Gehalt von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper soll sogar auf 250.000 Euro pro Jahr verdoppelt werden. "Im Vergleich mit anderen Dax-Unternehmen bekommen unsere Aufsichtsräte wenig“, sagte Schrempp auf der Hauptversammlung am Mittwoch vor 8500 Aktionären.

Negative Ergebnisse hatte auch der Versicherer Allianz zu vermelden. Die gut bezahlten Allianz-Manager mussten im vergangenen Geschäftsjahr den ersten Verlust seit dem Zweiten Weltkrieg verbuchen. Das Minus betrug 1,2 Milliarden Euro. Der Versicherer notiert derzeit so niedrig wie zuletzt vor 15 Jahren. In der Chefetage der Allianz wurden dennoch Gratifikationen verteilt. Der Versicherer zeigte sich 2002 spendabel und ließ die Bezüge der Vorstandsmitglieder auf durchschnittlich 1,58 Millionen Euro klettern.

Scheinbar bescheidener zeigte sich Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Ackermann erhielt zuletzt 6.948.135,07 Euro, während sein Vorgänger Rolf-E. Breuer noch reichlich mit acht Millionen Euro 2001 entlohnt wurde. Der Deutsche-Bank-Boss zählt dennoch zu den bestbezahlten Managern Deutschlands. Einbrüche beim Unternehmensergebnis haben daran nichts geändert. Neben Ackermanns Gehalt ist auch die schlechte Geschäftsentwicklung im Jahresabschluss der Deutschen Bank nachzulesen. Das operative Ergebnis vor Steuern lag 2002 mit 1,8 Milliarden Euro unter dem Wert von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Hohes Gehalt – Niedriger Kurs

Das sind nur drei Beispiele, die einen Trend belegen. Die Auswertung von Geschäftsberichten der im Dax vertretenen Unternehmen verdeutlicht das Missverhältnis zwischen hohen Manager-Gehältern und schlechter Unternehmens-Performance. Nach Angaben des "Handelsblatts" sind die Gehälter deutscher Spitzen-Manager demnach im vergangenen Jahr durchschnittlich um vier Prozent pro Kopf gestiegen. Der Börsenwert der 30 Dax-Unternehmen ist hingegen gleichzeitig um durchschnittlich 40 Prozent gesunken. Jedes zweite im Dax notierte Unternehmen belohnte dennoch seine Vorstände mit höheren Bezügen.

Mit ihren teilweise astronomischen Gehältern scheinen sich deutsche Manager ein Beispiel an Übersee genommen zuhaben. Im internationalen Vergleich zählen deutsche Unternehmensbosse trotz Gehaltserhöhungen nicht zu den Top-Verdienern. So kam Stanley O´Neal von Merrill Lynch im vergangenen Jahr auf 14,25 Millionen Dollar.

Transparenz ist nicht erwünscht

Deutschland bewegt sich nicht nur bei Manager-Gehältern, sondern auch bei Bilanzskandalen auf einem anderen Niveau als die USA. Damit das auch so bleibt, wurden im so genannten Corporate-Governance-Kodex Richtlinien zur Unternehmensführung in Deutschland verankert. Die Offenlegung von Manager-Bezügen ist dabei ein wichtiges Element. "Der Vorstand darf sich nicht sein eigenes Programm schneidern", sagte Marcus Lutter, Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance, auf einem Symposium der Bankakademie in Frankfurt. Dieser Anregung sind jedoch erst acht Gesellschaften gefolgt.

In Führungskreisen gibt es immer wieder Widerstand, die Leistung und dafür bezogenen Gehalt einer öffentlichen Diskussion zu stellen. Manfred Schneider, einer der meist beschäftigten Aufsichtsräte Deutschlands, hält von Gehalts-Veröffentlichungen wenig. "Ich verstehe nicht, warum diese Kenntnis einen besseren Einblick in die Unternehmensstrategie und -führung geben soll", sagte er in einem Interview dem "Handelsblatt". Schneider selbst sitzt in den Aufsichtsräten von Allianz, DaimlerChrysler, Linde, Metro, RWE und TUI.

Auch Berater Roland Berger verteidigt hohe Manager-Gehälter. "Unsere Manager müssen den Mut haben, sich zum Leistungsprinzip zu bekennen", sagte der Consulter in einem Interview.

Die Schweizer haben mit Leistungslohn-Systemen in Chefetagen kein Problem. Nachdem der Schweizer Pharma-Konzern Novartis einen Gewinn von 7,3 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftete, ließ sich Novartis-Boss Daniel Vasella 20 Millionen Franken auszahlen. Ganz öffentlich.



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