Topmanager-Gehälter Regierung stoppt Offenlegungsgesetz

Immer noch sträubt sich die Hälfte der deutschen Top-Konzerne dagegen, die Gehälter ihrer Spitzenmanager zu veröffentlichen. Die rot-grüne Koalition wollte die Unternehmen per Gesetz zur Offenheit zwingen. Nun aber haben Kanzler Schröder und SPD-Chef Müntefering den Plan einem Zeitungsbericht zufolge erst einmal aufgegeben.


Berlin - Die Entscheidung sei von beiden SPD-Politikern am Mittwoch gefällt worden, berichtet die "Financial Times Deutschland". Das Blatt beruft sich auf nicht näher genannte Quellen aus Regierungskreisen.

Die Initiative für das Gesetz, das die Chefs der 30 Dax-Unternehmen zur genauen Offenlegung ihrer Bezüge gezwungen hätte, war ursprünglich von der SPD-Fraktion ausgegangen. Sie wollte damit Empfehlungen der so genannten Corporate-Governance-Kommission umsetzen, die für mehr Transparenz in der deutschen Konzernkultur sorgen sollte. Nun sei die Verwirklichung eines solchen Gesetzes in dieser Wahlperiode unwahrscheinlich.

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Vorstandsgehälter: Die Geheimniskrämer

Das Justizministerium fordert dem Bericht zufolge weiter die Offenlegung der einzelnen Vorstandsgehälter bei möglichst allen Dax-Firmen. Die Unternehmen sollten aber möglichst aus eigener Überzeugung handeln. Es sei "guter Brauch, auf Freiwilligkeit zu setzen", habe es im Kanzleramt geheißen.

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Vorstandsgehälter: Die Auskunftsfreudigen

Als entscheidend werde gewertet, dass nun auch Volkswagen Chart zeigen als erster der drei Autokonzerne im Dax die Offenlegung der Gehälter ab 2005 angekündigt habe. Einer Statistik der Regierung zufolge legen neun der 30 Firmen bereits die Einzelgehälter offen, sieben Firmen haben das angekündigt. Sechs weitere erwägen eine Offenlegung, acht haben sich bisher geweigert.

Einem früheren "FTD"-Bericht zufolge könnte aber das Land Bayern mit einem Gesetzentwurf zur Managervergütung vorpreschen. Die Hauptversammlung solle künftig zu einem detaillierten Vergütungsbericht des Aufsichtsrats Stellung nehmen, zitierte das Blatt aus einem Entwurf für ein derartiges Gesetz. Die Gesetzesinitiative könne noch vor Jahresende in den Bundesrat gehen, sagte ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums der Zeitung.

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