Tourismus Der Kampf um die Weltraumbummler

Den Kampf um die Vorherrschaft im All haben Russen und Amerikaner längst beendet. Stattdessen treten jetzt drei Geschäftsleute gegeneinander an. Es geht um die Frage, wer in Zukunft den Markt für kommerzielle Flüge ins All beherrscht.


SpaceShipOne: Konstruktionsgrundlage für den ersten Virgin-Gleiter
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SpaceShipOne: Konstruktionsgrundlage für den ersten Virgin-Gleiter

New York - Ihr Talent, ein Geschäft aufzuziehen, haben alle drei bereits bewiesen. Richard Branson als Gründer des Mischkonzerns Virgin, Jeff Bezos, der mit dem Online-Buchhandel amazon.com zum größten Buchhändler der Welt aufstieg - und Elon Musk, der die Idee des Online-Bezahlsystems PayPal erfolgreich umsetzte. Jetzt brechen sie zu neuen Ufern auf, jeder für sich natürlich - und gegeneinander. Es geht um nicht weniger als um die erste Reise-Agentur für Privatflüge ins All.

Leichte Vorteile hat sich Richard Branson bereits verschafft, schließlich hat sich der Brite mit mehreren Fluggesellschaften bereits erfolgreich in der Reisebranche etabliert. Außerdem hat er sich die Lizenz von Burt Rutan gesichert, der den ersten privat finanzierten Weltraumflieger namens SpaceShipOne konstruiert hat. Mit von der Partie ist auch Microsoft-Mitgründer Paul Allen, der das Geld für SpaceShipOne beisteuerte.

Federführend für das Branson-Projekt ist die Virgin-Tochter Virgin Galactic. Insgesamt 100 Millionen Dollar sollen bereit stehen, um fünf Weltraumflieger nach Art des SpaceShipOne zu bauen. Jeder Raumgleiter soll sechs oder sieben Passagiere befördern können. Damit sich das Geschäft rechnet, müssen im ersten Jahr bereits 460 Weltraumbegeisterte eine Passage buchen. Kostenpunkt: voraussichtlich 200.000 Dollar.

Dafür bekommt der Fluggast wenige Minuten Schwerelosigkeit an der Grenze zum Weltraum geboten. Vor dort aus kann man ungehindert in die Tiefe des Alls blicken und die Erdkrümmung bewundern.

Über mangelnde Nachfrage kann Virgin Galactic-Chef Will Whitehorn. "100 Buchungen liegen bereits vor", sagte er dem Nachrichtensender CNN. Weitere 35.000 hätten bereits ihr Interesse bekundet.

Amazon-Chef Bezos beginnt seine Unternehmung weit bodenständiger. Die Entwicklung seines Raumgleiters übernimmt die von ihm gegründete Firma Blue Origin. Dass seine Ingenieure erfolglos sein könnten, kommt Bezos erst gar nicht in den Sinn. Er hat schon einmal ein knapp 670.000 Quadratmeter großes Gelände in Texas gekauft, um dort einen Weltraumbahnhof zu bauen.

PayPal-Erfinder Musk wiederum setzt zunächst im ersten Schritt auf unbemannte Raketen. Sein Unternehmen SpaceX soll zunächst mit dem Transport von Ladung in den Weltraum Geld verdienen. Ein zurzeit in der Entwicklung befindliche Rakete soll später bis zu fünf Passagiere befördern können. Der Zeitpunkt für den Jungfernflug ist allerdings noch nicht festgelegt.

Die Konkurrenz sehen im Übrigen alle drei nicht als Beschwernis an - im Gegenteil: "Erst dadurch entsteht genügend Engagement, um die Kosten auf ein vertretbares Maß zu drücken", sagt Virgin Galactic-Chef Whitehorn. Dass entsprechende Kostensenkungen möglich sind, dessen ist PayPal-Boss Musk gewiss: "Viele der neuen Technologien waren zunächst unerschwinglich teuer, fanden aber schließlich den Weg zum Massenmarkt. Der PC ist dafür das beste Beispiel". Beim Weltraumtourismus habe bislang die fehlende Konkurrenz für die NASA dafür gesorgt, dass die die Preise über 30 Jahre hinweg kaum gesunken seien.



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