Transrapid Aus für die Strecke Berlin-Hamburg

Das umstrittene Transrapid-Projekt auf der Strecke Berlin-Hamburg ist endgültig zu den Akten gelegt worden. Das teilte Verkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) am Samstag nach einem Spitzengespräch in Frankfurt mit Vertretern der Bundesregierung, der Deutschen Bahn und der am Projekt beteiligten Industrieunternehmen mit. Es werde nach Alternativen gesucht.


Bahn-Chef Hartmut Mehdorn (links) setzte sich gegen Verkehrsminister Reinhard Klimmt durch
DPA/[M]

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn (links) setzte sich gegen Verkehrsminister Reinhard Klimmt durch

Frankfurt/Main - Alle Proteste von Thyssen-Arbeitern, alles Drängen von Seiten der Politik konnten am Ausgang der Beratungen über die Zukunft des Transrapid nichts ändern: Das umstrittene Transrapid-Projekt auf der Strecke Berlin-Hamburg ist endgültig zu den Akten gelegt worden. Verkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD), Bahnchef Hartmut Mehdorn sowie Vertreter der am Projekt beteiligen Industrieunternehmen ThyssenKrupp, Siemens und Adtranz legten am Samstag nach einem Spitzengespräch in Frankfurt eine entsprechende gemeinsame Erklärung vor. Die Teilnehmer stellten "bei unterschiedlicher Auffassung über die Gründe" fest, der Bau der Strecke werde nicht realisiert.

Darin wird der Technik des Transrapid gleichwohl ein hoher Stellenwert und eine herausragende Bedeutung für den Standort Deutschland eingeräumt. Sie solle daher auch in Deutschland angewendet werden, so die Erklärung. In Machbarkeitsstudien solle nach Alternativen zur Strecke Berlin-Hamburg gesucht werden. Die Studien sollen in zwei Jahren so weit fertig sein, dass erneut entschieden werden könne.

Das Spitzentreffen war begleitet von Kundgebungen für und gegen den Transrapid. Unmittelbar vor dem Treffen hatte Klimmt betont, die Bundesregierung wolle an der Transrapid-Technologie festhalten. Sollte sich die Strecke Berlin-Hamburg nicht verwirklichen lassen, seien Alternativen zu suchen. "Ich werde mich für den Transrapid einsetzen", versprach Klimmt rund 200 demonstrierenden Industriearbeitern, die vor dem Tagungsgebäude am Frankfurter Flughafen ein "klares Ja" zum Bau der Magnetschwebebahn forderten. Die Bundesregierung stehe zu ihren zugesagten 6,1 Milliarden Mark.

Thyssen-Arbeiter demonstrierten erfolglos für den Transrapid
AP

Thyssen-Arbeiter demonstrierten erfolglos für den Transrapid

Bahnchef Mehdorn hatte die Referenzstrecke Berlin-Hamburg zuletzt im Januar als unrentabel abgelehnt. "Ich kann der Bahn das Risiko nicht aufzwingen", sagte Klimmt. Dagegen sagte der Vize-Betriebsratsvorsitzende des Thyssen-Standortes Kassel, Günter Simon: "Es kann und darf nicht sein, dass nach 25 Jahren Forschung und Entwicklung heute eine negative Entscheidung gefällt wird."

Aufgeschoben, nicht aufgehoben?

Nun will die Bundesregierung nach alternativen Routen für die Magnetschwebebahn in Deutschland suchen. Schon im Vorfeld hatte Klimmt erklärt, dass auch eine Anbindung der Flughäfen von Berlin oder München ans Stadtzentrum denkbar sei.

Für den Fall eines Projekt-Ausstiegs der Bahn hatten die beteiligten Industrieunternehmen mit Schadensersatzklagen in Millionenhöhe gedroht. Nach einem 1997 vereinbarten Eckpunktepapier soll die Industrie ihrerseits rund 3,8 Milliarden Mark zum Projekt beisteuern. Nun ist die endgültige Entscheidung darüber, ob, wann und wo der Transrapid in Deutschland fahren wird, wieder um zwei Jahre vertagt.



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