Transrapid Chinesen wollen Preise halbieren

Als hätten Zeitdruck und die Angst vor dem Technologie-Klau nicht gereicht: Die chinesische Regierung setzt das deutsche Transrapid-Konsortium offenbar mit neuen Methoden unter Druck.


Magnetschnellbahn Transrapid, hier auf einer Computermontage des Konsortiums vor der Skyline von Singapur: Von ThyssenKrupp und von chinesischen Regierungskreises ist Widersprüchliches über die Zukunft des Projektes zu hören

Magnetschnellbahn Transrapid, hier auf einer Computermontage des Konsortiums vor der Skyline von Singapur: Von ThyssenKrupp und von chinesischen Regierungskreises ist Widersprüchliches über die Zukunft des Projektes zu hören

Peking - An so etwas Profanes wie Urlaub ist nicht zu denken auf der Transrapid-Baustelle bei Schanghai. Die 2500 Stützen stehen zwar bereits auf der ersten kommerziellen Strecke für den deutschen Magnetschnellzug. Bisher aber sind erst gut ein Drittel der Träger für den eigentlichen Fahrweg montiert. Deshalb wurde hier weitergeschuftet, während die Chinesen in der ersten Mai-Woche Ferien genossen.

Bis Ende Dezember hat das Konsortium aus ThyssenKrupp und Siemens noch Zeit. Dann will der chinesische Premier Zhu Rongji die 30 Kilometer zwischen dem Flughafen Pudong und Longyhang Zhan zurücklegen - mit einem Tempo von 430 Kilometern in der Stunde. "Das Projekt ist ein ungeheurer Kraftakt und benötigt eigentlich die doppelte Zeit", zitiert das "Handelsblatt" einen der deutschen Manager.

Allergrößte Mühen

Dem Bericht zufolge aber legen die Chinesen den deutschen Ingenieuren und Managern noch andere Daumenschrauben an. So wolle die Regierung in Peking für weitere Transrapid-Strecken nur drastisch reduzierte Preise zahlen, so das Blatt unter Berufung auf Konsortiumskreise.

Pro Streckenkilometer sollen die Systemkosten demnach von derzeit rund 40 Millionen auf 15 bis 20 Millionen Euro gesenkt werden. Das wäre selbst bei kompletter lokaler Fertigung der Bauteile nur unter allergrößten Mühen zu realisieren, sei in den deutschen Kreisen zu hören. Die Hoffnung, dass die Deutschen einen lukrativen Teil des 8000 Kilometer messenden, geplanten Hochgeschwindigkeitsnetzes in der Volksrepublik bauen werden, erhalten damit erneut einen Dämpfer.

Low-Budget-Bahn im Norden

Gleichzeitig forcieren die Chinesen offenbar ihre Pläne für einen Gegen-Transrapid, der dem deutschen Vorbild nachempfunden ist. Dieses Konkurrenz-Modell wird voraussichtlich zwar nur eine Geschwindigkeit von 150 km/h erreichen - dafür aber stammen die Bauteile zu fast 100 Prozent aus einheimischer Produktion, lediglich die Steuerung wird importiert. Ein Testfahrzeug hat bereits eine 2000 Kilometer lange Strecke absolviert.

Schon 2004, so will die chinesische Zeitung "Beijing Shibao" dem Bericht zufolge erfahren haben, soll dieser Low-Budget-Transrapid auf der 40 Kilometer langen Strecke von Peking in die Provinz Badaling verkehren.

Offenbar nicht die einzige Unstimmigkeit: Von ThyssenKrupp in Peking sei zu hören, so das "Handelsblatt" weiter, dass schon bis September die Entscheidung über den Bau von drei oder vier weiteren Transrapid-Strecken fallen solle. In offiziellen chinesischen Kreisen in Schanghai gebe es eine ganz andere Sprachregelung: Bevor weitere Aufträge erteilt würden, müsse erst einmal der Transrapid auf Flughafen-Strecke fahrbereit sein und die Politik überzeugt haben.



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