Transrapid in China Verhandlungen über zweite Strecke stehen kurz bevor

Das deutsche Prestige-Objekt Transrapid könnte doch noch zum Verkaufsschlager werden: Nur einen Tag nachdem die USA Mittel zur Planung zweier Strecken bereitgestellt hat, kommen nun auch aus China gute Nachrichten.


Berlin/Peking - Nach mehrfachen Verzögerungen sollen nun endlich die Verhandlungen zwischen Berlin und Peking über den Bau einer zweiten Transrapidstrecke beginnen, erklärte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD). Hochrangige Regierungsgespräche beider Seiten hätten "in diesen Tagen" wichtige Beschlüsse über die zweite etwa 160 Kilometer lange Anwendungsstrecke von Schanghai nach Hangzhou gebracht. Bisher fährt die Magnetschwebebahn nur vom Flughafen Pudong in das 30 Kilometer entfernte Shanghai. Peking habe mitgeteilt, dass der technische Transrapid-Leiter Wu Xiangming die volle Prokura für sofortige Verhandlungen habe.

Transrapid in Shanghai: "Wichtige Gespräche in diesen Tagen"
DPA

Transrapid in Shanghai: "Wichtige Gespräche in diesen Tagen"

Das zuständige Planungsamt in China bestätigte Stolpes Ankündigung allerdings nicht. Die endgültige Entscheidung über das Projekt sei noch nicht gefallen, erklärte der zuständige Beamte der chinesischen Reform- und Entwicklungskommission, Wang Dongxiang. Der Staatsrat in Peking, dessen Genehmigung Voraussetzung für konkrete Verhandlungen sei, sei immer noch mit dem Thema befasst. Die technischen Gespräche über die 160 Kilometer lange Verlängerung der bestehenden Flughafenstrecke in Schanghai hätten gleichwohl durchgehend stattgefunden.

80 bis 90 Prozent der Fertigung in China

Bisher war geplant, die Strecke bis zur Expo 2010 in Schanghai fertig zu stellen. Dafür müssten die Verhandlungen aber schon bald abgeschlossen werden. Die Strecke soll die Fahrt vom internationalen Flughafen Pudong nach Hangzhou auf 26 Minuten verkürzen und würde auch die Probleme der Flughafenstrecke lösen, die Passagiere bisher nur zu einer U-Bahnstation am Stadtrand bringt. Für die neue Transrapidstrecke wollen die chinesischen Betreiber die Kosten deutlich senken und vieles selber unter Lizenz fertigen. 80 bis 90 Prozent der Bahn sollen diesmal in China gefertigt werden

Stolpe scheint fest davon auszugehen, dass der Verhandlungsbeginn unmittelbar bevorstehe. "Dies ist ein positives Zeichen für die deutsche Industrie", freute er sich heute. Mit einer zweiten Strecke in China könnte die deutsche Schwebebahn, die ein Konsortium von ThyssenKrupp und Siemens entwickelt hat, nach ihren schwierigen ersten Jahren vielleicht doch noch zum Exportschlager werden, so hofft man im Verkehrsministerium. Erst gestern hatte der US-Kongress 90 Millionen Dollar für die Planung von zwei Transrapid-Strecken in den USA bereitgestellt. AUch bei Briten und in den Golfstaaten herrscht reges Interesse.

In Deutschland stünden die Signale für eine Magnetschwebebahn ebenfalls auf grün, sagte Stolpe weiter. Nach Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für die 30 Kilometer lange Strecke zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen rechnen Experten damit, dass der Bau 2007 beginnen und 2010 abgeschlossen sein könnte. Strittig ist allerdings nach wie vor, wie die Kosten von 1,6 Milliarden Euro finanziert werden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.