Transrapid Netzwerk durch das Reich der Mitte

Die Deutschen sind zuversichtlich, dass dem Transrapid in China eine große Zukunft bevorsteht. Optimisten sprechen sogar schon von einem ganzen Netz, dass sich durch das Reich der Mitte zieht.


Der Anfang vom Netz: Transrapid in Schanghai (Montage)

Der Anfang vom Netz: Transrapid in Schanghai (Montage)

Schanghai - "Wenn das Pilotprojekt in Schanghai erfolgreich verläuft, sind die Perspektiven für weitere Strecken günstig", sagte Henner Wittling, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, in Schanghai nach Gesprächen mit der chinesischen Regierung. Vorrangig ging es dabei um den Bau der etwa 1300 Kilometer langen Strecke zwischen Schanghai und Peking. Noch hat die chinesische Regierung sich nicht zwischen der herkömmlichen Rad-Schiene-Technik und einer Magnetschwebebahn entschieden.

Während Wittling zufolge zum Beispiel das Wissenschaftsministerium positiv zum Transrapid steht, sind die Verantwortlichen im Eisenbahnministerium noch skeptisch, ob eine solche Verbindung wirtschaftlich zu betreiben wäre. Eine dort erstellte Studie komme zu dem Ergebnis, dass ein herkömmlicher Hochgeschwindigkeitszug deutlich günstiger sei als der Transrapid.

Nun soll die Studie von der Bundesregierung gemeinsam mit der Deutschen Bahn auf ihre Plausibilität und die benutzten Vorgaben überprüft werden. Die chinesische Seite habe sich bereit erklärt, alle notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen. Bis zum kommenden Frühjahr soll der Kostenvergleich abgeschlossen sein. Sollte dieser gleiche Ergebnisse für beide Varianten bringen, bekäme der Magnetschwebezug wahrscheinlich den Vorzug, sagte Wittling.

Der Erfolg des Transrapids in China steht und fällt allerdings mit einem pünktlichen Start in Schanghai. Der Bau der 30 Kilometer langen Anbindung des Flughafens Pudong sei bisher "sehr gut verlaufen", sagte Wu Xiangming, Projektleiter der Baustelle. Mittlerweile stehen etwa zwei Drittel der benötigten Stelzen. Die gegenwärtig laufende Vorbereitung der darauf liegenden Betonelemente gilt als technisch besonders anspruchsvoller und entscheidender Teil des Baus. Auf dieser Fahrbahn wird dann die Antriebstechnik aus Deutschland montiert. "Wir nähern uns dem Höhepunkt der Bauarbeiten", bemerkt Wu dazu. Im September 2002 soll der erste Zug für vorbereitende Fahrten auf die Strecke gesetzt werden. Für den 1. Januar 2003 ist eine VIP-Fahrt über die gesamte Strecke vorgesehen, auf der der Zug seine Höchstgeschwindigkeit von 430 Kilometern erreichen soll.

Der Termin wurde vom chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji festgelegt, da im März 2003 Vorentscheidungen über weitere Projekte fallen und der Transrapid seine Funktionsfähigkeit beweisen soll. Der zweispurige Regelbetrieb soll Ende 2003 aufgenommen werden.

Eckhard Rohkamm, Mitglied des Konzernvorstandes von ThyssenKrupp, ist damit offensichtlich nicht ganz glücklich. Er bezeichnete den Zeitplan als "anspruchsvoll" und "terminkritisch". Bisher aber verlaufe alles nach Plan. Die Chinesen beeindruckten durch hohes Arbeitstempo sowie durch gute Qualität. Dem Bedenken, dass die chinesische Seite über kurz oder lang sich so viel Wissen aneigne, dass sie selber einen Transrapid bauen könne und die Deutschen nicht mehr brauche, trat Rohkamm entgegen. Das Risiko sei "faktisch gleich null", da keiner der Transrapid-Konsortialpartner sein entscheidendes Wissen aus der Hand gebe. Sowohl Rohkamm als auch Wu betonten den Pilotcharakter der Schanghaier Strecke, die dem ThyssenKrupp-Manager zu Folge aber dennoch eine "kleine Marge" abwerfen soll. Wichtiger als der Gewinn dürften aber die Anschlussaufträge sein.

Nach Angaben von Hartmut Heine, dem Repräsentanten des Transrapid-Konsortiums in China, wird derzeit konkret über die Flughafenanbindung in Peking sowie eine etwa hundert Kilometer lange Strecke zwischen der Hauptstadt und der Hafenstadt Tianjin verhandelt. Ferner sei eine Machbarkeitstudie über eine Verbindung zwischen Hongkong und Guangzhou in Arbeit. Hier werde eine Vorentscheidung spätestens 2003 erwartet, gebaut werden solle 2004/2005. Bis zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking soll der Transrapid auch in der Hauptstadt schweben.



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