Transrapid Pierer schreibt Langstrecke in China ab

Es ist eine Beerdigung erster Klasse. Offiziell ist die Entscheidung noch nicht gefallen, doch Siemens-Chef Heinrich von Pierer hat dem Transrapid alle Chancen für den Einsatz auf der rund 1000 Kilometer langen Strecke zwischen Peking und Shanghai abgesprochen.


München - "Nach menschlichem Ermessen wird es keinen Transrapid zwischen Shanghai und Peking geben", sagte Pierer am Donnerstag am Rande der Siemens-Hauptversammlung in München. Allerdings sei der ICE im Rennen für diese Strecke. Siemens gehört zum Herstellerkonsortium der Magnetbahn Transrapid und baut auch den Hochgeschwindigkeitszug ICE.

Transrapid in Shanghai: Konsortium hofft auf Kurz- und Mittelstrecken
DPA

Transrapid in Shanghai: Konsortium hofft auf Kurz- und Mittelstrecken

Eine Sprecherin der ebenfalls an der Magnetschwebebahn beteiligten ThyssenKrupp Industries betonte allerdings, eine Entscheidung, welches System auf der Strecke eingesetzt werden solle, sei noch nicht gefallen. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) habe dies noch am Vortag in Kassel gegenüber Vertretern von ThyssenKrupp erklärt. Der Stand der Dinge habe sich zuletzt nicht verändert.

In der vergangenen Woche hatte Chinas Außenministerium einen ARD-Bericht über das Aus für den Transrapid auf der geplanten Neubaustrecke als falsch zurückgewiesen. Die Regierung habe noch nicht entschieden, ob sie die Magnetschwebebahn oder eine konventionelle Rad-Schiene-Lösung bevorzugt, hatte es geheißen. Allerdings hatten zuletzt die beteiligten Firmen und auch die Bundesregierung angedeutet, dass die Chancen für kürzere Transrapid-Verbindungen in China größer seien als für die über tausend Kilometer lange Strecke Peking-Shanghai.

In Deutschland soll der Transrapid in München gegen Ende des Jahrzehnts erstmals kommerziell eingesetzt werden und die Innenstadt mit dem Flughafen verbinden. Die Finanzierung des auf 1,6 Milliarden Euro geschätzten Projekts ist aber zum Teil noch offen. Eine weitere geplante Strecke im Ruhrgebiet scheiterte am fehlenden Geld sowie dem Widerstand der Grünen, die den Transrapid in Deutschland als unwirtschaftlich ablehnen.

Die Aktien der beiden am Konsortium beteiligten Unternehmen zeigten sich von der Aussage Pierers unbeeindruckt. In einem nur leicht festeren Marktumfeld legte die ThyssenKrupp-Aktie um ein Prozent auf 17,84 Euro zu. Das Papier von Siemens notierte mit 67,81 Euro ebenfalls knapp einen Euro stärker. Der Konzern hatte am Morgen einen über den Erwartungen liegenden Quartalsgewinn ausgewiesen.



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