Transrapid Shanghai verschmäht deutsche Antriebstechnologie - zu teuer

Skepsis in der Volksrepublik: Chinesische Experten halten es für unwahrscheinlich, dass das Land die Transrapid-Antriebstechnologie kauft. Das werde viel zu teuer. Auch ThyssenKrupp wehrt sich gegen einen Bericht, wonach der Konzern die Technologie nach Asien veräußern will.


Berlin/Düsseldorf - Verhandlungstaktik oder echte Zweifel? Der Vizedirektor des Eisenbahn-Instituts der Shanghaier Tongji-Universität, Xie Weida, erklärte einen Ankauf der Transrapid-Antriebstechnologie durch China für "unwahrscheinlich". China verfüge zwar bereits über eine Transrapid-Strecke und damit die Grundlage für das Verkehrssystem. Der Preis für die Kerntechnologie des Transrapids dürfte aber äußerst hoch sein, sagte Xie Weida. China könne ein Angebot "vorsichtig" prüfen, räumte der Professor aber ein.

Transrapid in Shanghai: Die Verlängerung der Strecke ist wegen heftiger Anwohnerproteste schon lange auf Eis gelegt.
DDP

Transrapid in Shanghai: Die Verlängerung der Strecke ist wegen heftiger Anwohnerproteste schon lange auf Eis gelegt.

Er reagierte damit auf einen Bericht von "Welt Online", wonach ThyssenKrupp Chart zeigen den Verkauf der Rechte für die Technologie erwägt. Die Tongji-Universität war maßgeblich an der Entwicklung der weltweit einzigen kommerziellen Transrapid-Strecke vom Shanghaier Flughafen Pudong in die Innenstadt beteiligt.

Auch ThyssenKrupp dementiert den Bericht. "Wir vertrauen weiter auf die Transrapid-Technologie", sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Industriekonzerns. Vorrangiges Ziel sei, die Verlängerung der Shanghai-Strecke zu realisieren. Wegen massiver Anwohnerproteste war der Ausbau der Magnetbahnstrecke zum zweiten städtischen Flughafen Hongqiao und in die Nachbarstadt Hangzhou auf Eis gelegt worden. Shanghais Bürgermeister Han Zheng hatte vor wenigen Wochen die ursprünglich geplante Fertigstellung bis zur Expo 2010 ausgeschlossen.

Verkauf wäre problematisch

Kenner des Transrapid-Projekts in Peking erklärten, dass China zwar nicht ohne die Schwebetechnik auskommen könne, wenn es die Magnetbahn weiterentwickeln wolle. Für den Antrieb sei aber auch die Betriebsleittechnik erforderlich, die beim Transrapid vom Elektrokonzern Siemens stammt.

In dem Bericht hatte es dagegen geheißen, sowohl eine Lizenzvergabe als auch der vollständige Verkauf der Antriebstechnologie sei möglich. ThyssenKrupp rechne damit, durch eine Lizenzvergabe einen hohen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Millionenbetrag zu erzielen. Die Rechte an dem Antriebs- und Steuerungssystem liegen beim Konsortium von ThyssenKrupp und Siemens.

Aber zumindest der vollständige Verkauf der Technologie wäre rechtlich problematisch: Immerhin sind in das Projekt hohe Subventionen geflossen, die zu einem Gutteil aus Steuergeldern stammen.

Industriekonzerne in der Kritik

Nicht nur ThyssenKrupp sieht sich in der Debatte nach dem Aus der Münchner Strecke in der Kritik. Sämtliche an der Planung beteiligten Firmen müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen. So monierte etwa Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) in der "Passauer Neuen Presse", noch vor einem halben Jahr hätten die Unternehmen ein Preisangebot von 1,85 Milliarden Euro abgegeben. Dann "sollte man sich darauf verlassen können", sagte der CSU-Politiker. Ihm sei völlig unverständlich, wie der Kostenrahmen seitdem auf 3,4 Milliarden Euro explodieren konnte. Verantwortlich für das Aus seien "die, die ihre Zusagen nicht einhalten".

"Welt Online" zufolge soll der Hauptgrund für die Preissteigerungen beim jetzt gescheiterten Transrapid-Bau in München nicht bei den Technologiekosten liegen, sondern bei denen des Baukonsortiums unter der Führerschaft von Hochtief. Insgesamt seien die veranschlagten Kosten von den geplanten 1,85 sogar auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen. Statt der 820 Millionen Euro, wie im September avisiert, sollten dem Bericht zufolge nun allein 2,2 Milliarden für Trasse und Tunnel ausgegeben werden.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf Regierungskreise, vor allem die Kosten für den Bau der Trasse seien unterschätzt worden. Statt der ursprünglich geplanten 700 Millionen Euro, hätte sie tatsächlich wohl 1,7 Milliarden Euro gekostet. Vor allem bei der Untertunnelung des Münchner Hauptbahnhofs habe man sich verkalkuliert. Hochtief hatte schon gestern alle Vorwürfe von sich gewiesen, für die extremen Kostensteigerungen verantwortlich zu sein.

ase/AP/dpa



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