Treffen in Washington Schrempp und Bush besprechen deutsch-amerikanische Krise

Es war das erste Treffen eines deutschen Top-Managers mit dem US-Präsidenten seit Beginn des Irak-Krieges: DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp ist in Washington von George W. Bush empfangen worden, beide sprachen auch über die jüngsten Spannungen zwischen Deutschland und den USA.


DaimlerChrysler-Chef Schrempp: Während sich deutsche Politiker noch zieren, nach Washington zu fahren, wurde der Manager bereits im Präsidialamt empfangen
DPA

DaimlerChrysler-Chef Schrempp: Während sich deutsche Politiker noch zieren, nach Washington zu fahren, wurde der Manager bereits im Präsidialamt empfangen

Washington - Der eigentliche Anlass für den Besuch war den Angaben eines Unternehmenssprechers zufolge ein von DaimlerChrysler initiiertes Programm in Südafrika. Dieses soll der AIDS-Vorbeugung und der Betreuung HIV-infizierter Mitarbeitern des Autokonzerns und ihrer Familien dienen. Schrempp, der vor seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender für Daimler-Benz in Südafrika tätig war, ist Chairman der "Global Business Coalition on HIV/AIDS", der mehr als 100 Unternehmen weltweit angehören.

Die jüngsten Spannungen zwischen den USA und Deutschland seien angesprochen worden, so die Sprecherin. Das Thema sei aber nicht vertieft worden. Die US-Regierung verübelte es ihren deutschen Kollegen, dass sie wie Frankreich und Russland den US-geführten Krieg strikt abgelehnt hatten, teilweise hatten Amerikaner offen zum Boykott deutscher Produkte aufgerufen.

Nach Angaben aus Kreisen der Bundesregierung wird derzeit der erste Deutschland-Besuch von US-Außenminister Colin Powell seit Monaten vorbereitet. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) plant in rund drei Wochen eine mehrtägige USA-Reise.

Trotz allem scheint sich in den strapazierten deutsch-amerikanischen Beziehungen Entspannung anzubahnen. "Es mehren sich die Anzeichen, dass es nun zu einem Ende der Polemik in den deutsch-amerikanischen Beziehungen gekommen ist", befand der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, der wie die anderen Chefs der großen Wirtschaftsverbände seit Monaten die Angst vor Schäden für die deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehungen als Folge des Streits um die Irak-Politik beschworen hatten. Der Dialog auf höchster Ebene scheint wieder in Gang zu kommen. Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick besucht am Freitag als erstes ranghohes US-Regierungsmitglied seit Beginn des Streits Deutschland

Doch vor vorschnellen Hoffnungen auf eine völlige Entspannung warnen Regierungskreise wie auch die Wirtschaft. Es gebe zwischen Deutschland und den USA nicht nur weiterhin Meinungsverschiedenheiten in der Irak-Frage, sondern auch über die Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Irak. Auch die jüngste Initiative von Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg für gemeinsame Kommandostrukturen als Grundlage einer Europäischen Verteidigungsunion kamen bei Powell und der US-Regierung alles andere als gut an. Von einer Wiedergeburt der alten freundschaftlicher Herzlichkeit zwischen beiden Ländern kann angesichts dessen beileibe noch keine Rede sein.

"Ich habe überhaupt keine Schwierigkeiten damit, den Kontakt zum amerikanischen Präsidenten, der notwendig und wünschenswert ist, zu pflegen", beschrieb Bundeskanzler Gerhard Schröder jüngst relativ distanziert sein Verhältnis zum US-Präsidenten George W. Bush. Konkret scheint es sich aktuell eher um eine Nicht-Beziehung zu handeln. "Ich glaube, es hat zwei Telefonate und einen Brief oder zwei Briefe gegeben", erhellte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg kürzlich die Qualität der Beziehungen. Es ging um den Zeitraum seit der Bundestagswahl im September 2002 - also innerhalb von mehr als einem halben Jahr.



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