Trendumkehr Arbeitnehmer gehen immer später in Rente

Rentenexperten mahnen bereits seit Jahren: Der Trend zu frühen Eintritt in den Ruhestand muss umgekehrt werden, sonst droht dem System der Kollaps. Allmählich zeigt die Aufklärungsarbeit Wirkung: Deutsche Arbeitnehmer arbeiten einem Zeitungsbericht zufolge immer länger.

Hamburg - Männer, die im zuletzt komplett erfassten Jahr 2004 in den Ruhestand gingen, seien im Schnitt 63,3 Jahre alt gewesen, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Frauen beendeten ihr Berufsleben durchschnittlich mit 63,4 Jahren. Grund sei der Wunsch, den Abschlag bei vorzeitigem Ruhestand zu vermeiden. Für jedes Jahr, das man vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheidet, werden 3,6 Prozent von den berechneten Ansprüchen abgezogen.

Im Jahr 2000 waren die Rentner noch deutlich jünger, heißt es in dem Bericht weiter. Laut Deutscher Rentenversicherung waren die männlichen Neuzugänge in der Altersrente damals im Durchschnitt 62,4 Jahre alt, Frauen gingen mit 62,8 Jahren in den Ruhestand.

Der Trend wird sich noch verstärken, wenn das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben wird. Denn damit fällt der Abschlag noch deutlich höher aus. Nach Überzeugung von Experten ist eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit dennoch ebenso unabdingbar, wie die Anhebung des tatsächlichen Renteneintrittsalters, um die sozialen Sicherungssysteme finanzierbar zu halten.

Allerdings wird es mit zunehmendem Alter nicht einfacher, sich im Berufsleben zu behaupten. In der Vergangenheit wurden durch die Regelungen des Altersübergangsgeldes Tendenzen zur Frühverrentung unterstützt. Auch die Regelungen zur Altersteilzeit dienten mitunter mehr dazu, den Übergang in den Ruhestand zu beschleunigen als die Erwerbstätigkeit möglichst lange aufrechtzuerhalten.

Die Folge: In einer Umfrage aus dem Jahr 2000 gaben rund die Hälfte der Betriebe in Deutschland an, dass sie keine Mitarbeiter mehr beschäftigen, die älter als 50 Jahre sind. Über ein Viertel der Arbeitslosen in Deutschland ist älter als 50. Mehr als die Hälfte davon ist bereits länger als ein Jahr ohne Arbeit. Mit über 55 sind nur noch rund 42 Prozent in Arbeit - weniger als in jedem anderen europäischen Land.

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