Trotz Haft Ex-Ölmagnat Chodorkowski plant Duma-Kandidatur

Der verurteilte Ex-Chef des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski, erwägt erneut ein politisches Engagement. Das wird ihm nicht leicht gemacht, zumal der ehemals reichste Mann Russlands im Gefängnis sitzt und die Haftbedingungen überdies verschärft wurden.


Häftling Chodorkowski: "Repressionen werden folgen"
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Häftling Chodorkowski: "Repressionen werden folgen"

Moskau - Chodorkowski erklärte heute auf seiner Internetseite, er überlege, bei einer Nachwahl für die das russische Parlament anzutreten. "Wenn ich von Menschen, deren Meinung ich vertraue, gefragt werde, werde ich zustimmen, obwohl ich weiß, dass man mich erstens die Wahl nicht gewinnen lassen wird und dass zweitens weitere Repressionen folgen werden", erklärte der 41-Jährige.

Der frühere Chef des faktisch zerschlagenen Ölkonzerns Jukos wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu neun Jahren Haft verurteilt. Nach den russischen Gesetzen würde er formal das Recht zu einer Kandidatur verlieren, wenn die Versuche seiner Anwälte scheitern, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Über Chodorkowskis Berufung wird frühestens im September verhandelt.

Mit der Ankündigung unterstreicht Chodorkowski einmal mehr seine politischen Ambitionen. Gerade dieses Engagement soll nach Meinung von Beobachtern zu seiner Verurteilung geführt haben. Demnach wollte man ihn vor der Präsidentenwahl 2008 als möglichen Herausforderer des amtierenden Staatschefs Wladimir Putin außer Gefecht setzen. Die russische Regierung hat politische Motive für die strafrechtliche Verfolgung Chodorkowskis stets dementiert.

Keine Zeitung für Chodorkowski

Derweil ist ein Streit um die Haftbedingungen Chodorkowskis entbrannt. Dessen Anwalt warf den Behörden vor, der Ex-Jukos-Chef dürfe nach jüngster Kritik an der Regierung keine Zeitungen mehr lesen oder fernsehen. Zudem sei er in eine engere Zelle in der Moskauer Haftanstalt Matrosenruhe verlegt worden, die er mit zehn weiteren Gefangenen teile.

Chodorkowski solle damit für einen Zeitungsartikel bestraft werden, in dem er vergangene Woche liberale Parteien zu einem Oppositions-Bündnis mit Kommunisten und Nationalisten aufgerufen hatte. Die Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.



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