Trotz steigender Infektionszahlen US-Unternehmen sind überraschend optimistisch

Die Corona-Zahlen in den Vereinigten Staaten schnellen hoch, Noch-Präsident Trump sorgt für Chaos. Trotzdem ist die Stimmung in der US-Industrie so gut wie seit Jahren nicht mehr.
Ford-Produktion in Chicago: US-Industriemanager werden immer optimistischer

Ford-Produktion in Chicago: US-Industriemanager werden immer optimistischer

Foto: Amr Alfiky/ AP

Trotz stark steigender Corona-Infektionszahlen macht sich in der US-Wirtschaft Optimismus breit. Der Einkaufsmanagerindex des Marktforschungsinstituts IHS Markit für die US-Industrie stieg im November überraschend von 53,4 auf 56,7 Punkte – das ist der höchste Wert seit mehr als sechs Jahren.

Auch der Indikator für Dienstleister legte zu: von 56,9 Punkten im Oktober auf nunmehr 57,7 Punkte. Dies ist der höchste Stand seit April 2015. Vorab befragte Ökonomen hatten in beiden Sektoren einen Rückgang erwartet.

Der Einkaufsmanagerindex misst die Stimmung in Unternehmen. Werte von mehr als 50 Punkten signalisieren eine Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität; weniger als 50 Punkte deuten auf eine Schrumpfung hin. Der Index gilt als einer der ersten wichtigen Hinweise, wie die US-Wirtschaft auf die Wahl des künftigen Präsidenten Joe Biden und die Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung reagiert.

»Der Aufschwung spiegelt eine weiter anziehende Nachfrage wider, die die Firmen dazu veranlasst, so viele neue Mitarbeiter einzustellen wie seit Beginn der Erhebung 2009 nicht«, sagt IHS-Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. In den USA haben noch immer gut zehn Millionen Menschen weniger Arbeit als vor dem Beginn der Pandemie im Frühjahr. Doch obwohl die Infektions- und Totenzahlen steigen und einige Bundesstaaten ihre Restriktionen verschärft haben, gehen Experten davon aus, dass die US-Wirtschaft im vierten Quartal wachsen wird.

Damit zeichnet sich eine entgegengesetzte Konjunkturentwicklung dies- und jenseits des Atlantiks ab. Im Euroraum fiel der IHS-Markit-Einkaufsmanagerindex im November um fast fünf Punkte auf einen Wert von 45,1 Zählern. Vor allem Dienstleister leiden unter Lockdowns oder Teil-Shutdowns wie in Deutschland. Auch an den Finanzmärkten sorgten die US-Daten für Bewegung. An der Wall Street stiegen die Aktienkurse, der Euro fiel nach Bekanntgabe der starken US-Daten von knapp 1,19 US-Dollar auf 1,1818 US-Dollar.

clh/Reuters
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