Trotz Absicht zu Klimaneutralität Australien will langfristig Kohle fördern

Binnen 30 Jahren will Australien klimaneutral werden. Doch aus dem Kohleabbau möchte die Regierung nicht aussteigen. Wie passt das zusammen?
Kohlemine in Australien

Kohlemine in Australien

Foto: Mark Baker / AP

Während Klimaschützer auf ambitionierte Zusagen der Staaten auf der Weltklimakonferenz in Glasgow setzen, sorgt die australische Regierung mit einem Statement für Ernüchterung. Denn Australien will noch jahrzehntelang Kohle fördern. »Wir haben ganz klar gesagt, dass wir keine Kohleminen und keine Kohlekraftwerke schließen werden«, sagte der australische Ressourcenminister Keith Pitt dem Fernsehsender ABC. Es werde noch lange einen Markt für Kohle geben und so lange werde Australien den Rohstoff auch verkaufen.

Er gehe davon aus, dass die Nachfrage für Kohle bis 2030 weiter ansteigen werde, sagte Pitt weiter. »Und wenn wir nicht den Markt gewinnen, dann macht es jemand anders.« Dann sei es besser, wenn »Australiens Qualitätsprodukt« dort Jobs schaffe und die Wirtschaft fördere, als wenn der Brennstoff aus Indonesien oder Russland komme.

Australien ist einer der größten Kohle- und Erdgasproduzenten der Welt . Das Land hatte in den vergangenen Jahren mit immer extremeren klimabedingten Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Buschbränden zu kämpfen.

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Die Regierung von Premierminister Scott Morrison kündigte im vergangenen Monat zwar an, Australien wolle bis 2050 klimaneutral sein. Allerdings legte sie keinen konkreten Plan vor, wie dies erreicht werden soll. Die Regierung in Canberra setzt offenbar vor allem auf neue Technologien, die es allerdings noch nicht gibt.

Beobachter der Weltklimakonferenz monieren, es klaffe bei einigen Ländern eine Lücke zwischen bisherigen Ankündigungen und der Realität. So hätten die Schwergewichte beim Treibhausgasausstoß Australien und Saudi-Arabien zwar das Ziel der Klimaneutralität ausgerufen, »aber keinerlei Plan zur Umsetzung vorgelegt«, sagte Simon Lewis vom Londoner University College. Dabei gingen die derzeitigen Emissionen der beiden Ländern »massiv in die falsche Richtung«.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Bei der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow hatten vergangene Woche 40 Länder angekündigt, künftig auf die Nutzung von Kohle verzichten zu wollen. Australien und weitere wichtige Kohleländer wie China und die USA unterzeichneten jedoch nicht. Auch bei der Reduzierung von Methan fehlen wichtige Staaten. So haben zwar rund hundert Länder zugesagt, den Ausstoß des bedeutenden Treibhausgases Methan bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Klimaschützer beklagen hier insbesondere, dass sich große Methan-Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien der Erklärung nicht angeschlossen haben.

Rund 200 Staaten sind an dem Gipfel mit knapp 30.000 Delegierten beteiligt. Sie ringen darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Experten und die Uno warnen, dass die Erde derzeit auf eine Erwärmung von 2,7 Grad in diesem Jahrhundert zusteuert. Der Gipfel soll nach bisherigen Planungen am Freitag zu Ende gehen.

Klimaaktivistin Greta Thunberg machte klar, dass die Konferenz aus ihrer Sicht jetzt schon ein Fehlschlag sei. Sie beklagte Tatenlosigkeit und »Blablabla« der großen Wirtschaftsnationen.

mmq/AFP/dpa
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