Trotz Mega-Krise Ryanair-Chef O'Leary will bis zu 400 Flugzeuge kaufen

Ryanair-Chef O'Leary zeigt den Mut des Verzweifelten: Trotz eines herben Gewinneinbruchs will er bis zu 400 neue Flugzeuge kaufen. Der Airline-Chef spielt dabei ein riskantes Spiel - er setzt darauf, dass der Ölpreis bald wieder rapide sinkt.

München - Krise hin oder her - Ryanair ist auf radikales Wachstum angewiesen. Davon ist zumindest Unternehmenschef Michael O'Leary überzeugt. Nur wenn die Airline auf den anstehenden Kapazitätsausbau verweise, könne sie bei Herstellern und Flughäfen gute Konditionen aushandeln, sagte O'Leary der "Süddeutschen Zeitung". Deshalb habe er Gespräche mit Airbus und Boeing zum Kauf von bis zu 400 Maschinen aufgenommen. Derzeit besteht die Flotte aus 120 Flugzeugen.

Der Zeitpunkt sei günstig für einen Großauftrag, "weil man derzeit wegen des niedrigen Dollarkurses enorm profitiert", erklärte O'Leary. "Neue Flugzeuge sind um die Hälfte billiger als noch vor einigen Jahren". Die neuen Flieger könnten von 2013 an ausgeliefert werden.

O'Leary hat offenbar der Mut der Verzweiflung gepackt. Im anstehenden Winter muss das Unternehmen erst einmal 20 Flugzeuge vorübergehend stilllegen, um Kosten zu sparen. Denn die Billig-Airline steckt tief in der Krise. Vergangene Woche musste das Unternehmen für das abgelaufene Quartal einen Gewinneinbruch von 85 Prozent verkünden.

Die hohen Ölpreise machen Ryanair noch sehr viel stärker zu schaffen als vielen Konkurrenten: O'Leary hat lange auf die in der Branche üblichen Preissicherungs-Geschäfte verzichtet. Und sollte der Ölpreis weiter hoch bleiben, müsste die Airline ihre Preise wohl massiv anheben - und damit ihren zentralen Wettbewerbsvorteil aufgeben.

Auch O'Leary weiß: Schon ein kleiner Gewinn wäre im laufenden Geschäftsjahr "für uns ein phänomenales Ergebnis." Doch der für seine flotten Sprüche bekannte Manager begegnet den Problemen mit unerschütterlichem Optimismus - und kalkuliert dabei äußerst riskant. Der Ölpreis "wird wieder unter 100 Dollar sinken, weil die Nachfrage zurückgeht. Es gibt keine Ölknappheit", sagt er. Und von einem möglichen Abschwung werde Ryanair nur profitieren: Viele Geschäftsreisende würden dann auf die Schnäppchen-Airline umsteigen.

ase

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