Trotz sinkender Kosten Mehrheit der Stromversorger will Preise nicht senken

Die Preise für Rohstoffe sind drastisch gesunken, dennoch hoffen Verbraucher vergeblich auf Entlastung: Der überwiegende Teil der Stromanbieter plant keine Preissenkung. Die Gasversorger wollen zwar die Preise drücken - doch nicht genug, kritisieren die Grünen.

Hamburg - Die Rohstoffe für Energie sind billiger geworden, doch der Verbraucher hat nichts davon: Fast 60 Prozent der befragten Stromversorger rechnet für 2009 mit unveränderten Tarifen, ein Drittel erwartet weiter steigende Preise. Das ergab eine Studie der Personalberatung Russell Reynolds Associates im Auftrag der "Financial Times Deutschland".

Nur ein Bruchteil der befragten Versorger denkt demnach über Preissenkungen nach. Dies stehe im Gegensatz zu den sinkenden Beschaffungskosten für Energierohstoffe, berichtet die "FTD". So sei etwa der Preis für Kraftwerkskohle nach Daten des Hamburger Energieinformationsdienstes EID zuletzt um 26 Prozent gefallen. Auch andere Rohstoffe wie Erdgas hätten sich deutlich verbilligt.

Nach Ansicht von Experten profitieren die Verbraucher nicht von den gesunkenen Kosten, weil der Wettbewerbsdruck in der Branche zu gering ist. Befragt wurden für die Studie 37 Versorger aller Größen vom Stadtwerk bis zum Verbundkonzern - unter anderem die größten deutschen Versorger E.on  , RWE   und EnBW  .

Grüne kritisieren Verhalten der Gasversorger

Auch die Gasversorger geben trotz der stark gefallenen Ölpreise nur rund die Hälfte der möglichen Preissenkungen an die Verbraucher weiter. Zu diesem Schluss kommt ein wissenschaftliches Gutachten im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, über das die "Saarbrücker Zeitung" berichtet. Für einen privaten Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden würden sich demnach ungerechtfertigte Mehrkosten in Höhe von 150 Euro ergeben.

Für das zweite Quartal 2009 hätten die Versorger einen durchschnittlichen Preisnachlass von zwölf Prozent im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres angekündigt. Das entspreche aber nur der Hälfte des sich rechnerisch aus den derzeitigen Marktentwicklungen ergebenden Preissenkungspotentials, heißt es in der Studie. Für die Gasversorger bedeute das allein im ersten Halbjahr 2009 einen Mehrerlös von einigen hundert Millionen Euro.

Zur Jahresmitte halten die Autoren der Studie eine weitere Preissenkung um etwa 15 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal für angemessen. Falls es jedoch bei der bisherigen Preispolitik bleibe, werde sich der ungerechtfertigte Mehrerlös der Gasversorger für das Gesamtjahr auf rund 1,6 Milliarden Euro summieren.

cte/AP/AFP/ddp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.