Trotz Übernahmeangebot Großaktionär Flowers pokert um HRE-Beteiligung

Der Bund will die angeschlagene Hypo Real Estate übernehmen, bis Anfang Mai können die Anteilseigner der Bank die Offerte annehmen. Doch Großaktionär Christopher Flowers ziert sich - er will bei dem Institut weiter engagiert bleiben.


Frankfurt am Main/Hamburg - Die Übernahmefrist für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) läuft: Die Bundesfinanzaufsicht BaFin hat das Angebot des staatlichen Rettungsfonds Soffin für die vom Zusammenbruch bedrohte Bank genehmigt. Jetzt können die Aktionäre ihre Anteile dem Fonds andienen. Die Angebotsfrist ende am 4. Mai und werde nicht verlängert, hieß es in einer Mitteilung.

US-Investor Flowers: "Präferenz, Aktionär zu bleiben"
DPA

US-Investor Flowers: "Präferenz, Aktionär zu bleiben"

In der vergangenen Woche hatte der Soffin bereits angekündigt, je Aktie 1,39 Euro zahlen zu wollen. Darin enthalten ist den Angaben zufolge ein Aufschlag in Höhe von zehn Prozent auf den gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro. Dieser errechne sich aus dem durchschnittlichen inländischen Börsenkurs vom 1. bis 15. Februar. Damit beträgt die Offerte für die Bank rund 290 Millionen Euro.

Zwar hält die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) das Angebot mangels Alternativen für "attraktiv". Leicht wird es für den Bund dennoch nicht, die Bank zu übernehmen.

Größter Einzelaktionär der HRE ist der US-Finanzinvestor Christopher Flowers. Eine Gruppe um ihn hält rund 23,7 Prozent der Anteile. Und es sieht nicht so aus, als ob Flowers seine Aktien jetzt vorbehaltlos abgeben wird.

Ein Sprecher von Flowers sagte SPIEGEL ONLINE, der Investor halte an seiner "Präferenz fest, Aktionär zu bleiben". Mit der Frist bis zum 4. Mai bleibe "noch lange Zeit, alle Optionen zu prüfen". Eine davon bleibe die Klage gegen die Enteignung, bekräftigte der Sprecher. Verstimmt sei Flowers darüber, das die Regierung "nie ernsthaft Vorschläge diskutiert" habe, wie die Investoren an Bord bleiben könnten und der Bund dennoch Rechtssicherheit habe.

Tatsächlich hat die Regierung in dem Angebot als letzten Schritt eine Enteignung der verbleibenden Aktionäre angekündigt: Das Ziel sei die Übernahme von 100 Prozent der Anteile an der Hypo Real Estate. Sollte dies nicht gelingen, sei beabsichtigt, ein Verfahren zur Enteignung gegen eine Entschädigungszahlung einzuleiten.

Der Sprecher des Soffin-Lenkungsausschusses, Hannes Rehm, bezeichnete das Angebot vor dem Hintergrund der Lage der Bank seinerseits als "attraktiv". Zugleich bekräftigte er, dass die Bundesregierung einen vollständigen "Rettungserwerb" anstrebe und so darüber hinausgehende Maßnahmen verhindern wolle. "Nur so können die für die Stabilisierung der HRE-Gruppe und damit letztlich für die Stabilität des Finanzmarktes erforderlichen Maßnahmen rechtssicher, nachhaltig, kosteneffizient und zeitnah umgesetzt werden", sagte Rehm.

Bund hält 8,65 Prozent an der HRE

Im Zusammenhang mit der angestrebten Verstaatlichung hat die Bundesregierung bereits für insgesamt 60 Millionen Euro neue HRE-Aktien erworben und hält derzeit 8,65 Prozent des Kapitals der Bank. Das Institut gilt wegen seiner starken Verflechtungen mit anderen Finanzunternehmen als systemrelevant. Ein Zusammenbruch hätte nach Ansicht von Experten unabsehbare Folgen für das Bankensystem.

Die Hypo Real Estate stand im vergangenen Jahr wegen der Schwierigkeiten ihrer Tochter Depfa Bank bereits kurz vor dem Kollaps und wird seitdem mit Geld und Garantien von insgesamt 102 Milliarden Euro am Leben gehalten. Das reicht aber nicht aus: Um die Insolvenz abzuwenden, sei weitere Unterstützung notwendig, heißt es in der Offerte. "Die HRE geht derzeit von einem erheblichen Kapitalbedarf aus."

Keine Abwicklung der Bank geplant

Der Bund will die HRE nach der Verstaatlichung nicht abwickeln. Der Soffin stellte sich hinter die Pläne des Vorstands, die Münchner Bank innerhalb von drei bis fünf Jahren radikal zu verkleinern und sich auf die gewerbliche Immobilienfinanzierung in Europa, den USA und Japan sowie das Pfandbriefgeschäft zu konzentrieren.

Im Vordergrund der Sanierung stehe, dass die Immobilienbank eigenständig überleben und sich mittelfristig auch ohne den Staat wieder refinanzieren könne, teilte der Soffin weiter mit. Riskante Wertpapiere sollen verkauft werden. Dazu sollen bis 2013 auch rund 1000 der 1800 Arbeitsplätze wegfallen. Nach der Übernahme will der Soffin die Pläne aber erneut unter die Lupe nehmen. Dann könnten auch weitere Stellen gestrichen werden.

suc/cte/ddp/dpa/dpa-AFX/Reuters



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