Trotz unsicherer Konjunkturaussichten Zahl der Arbeitslosen sinkt weiter

Der hohe Ölpreis und die gebremste Weltkonjunktur können dem deutschen Arbeitsmarkt scheinbar nichts anhaben, das belegen die Zahlen: Im Mai soll es rund 160.000 Arbeitslose weniger geben als im April.


Nürnberg - Die offizielle Statistik stellt die Bundesagentur für Arbeit erst morgen vor, doch der Trend scheint klar. Berechnungen von Bankenvolkswirten und Wirtschaftswissenschaftlern zufolge gab es im Mai 160.000 Erwerbslose weniger als im April und etwa 560.000 weniger als noch vor einem Jahr. Geschätzte 3,24 Millionen Menschen sind demnach hierzulande noch ohne Job, was eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent ergibt.

Jobcenter in Kiel: Zweite Jahreshälfte wird pessimistischer beurteilt
AP

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Etwas verzerrt wird die Arbeitsentwicklung im Mai allerdings durch einen statistischen Sondereffekt: Nachdem im April ausgerechnet am Zähltag eine Computerpanne eine korrekte Erfassung der Arbeitslosen verhindert hatte, schlägt sich ein Teil des Frühjahrsaufschwungs zahlenmäßig erst im Mai nieder.

Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld beurteilt die Lage dennoch vorsichtig zuversichtlich. Die sich etwas eintrübende Weltkonjunktur und den starken Euro werde der Arbeitsmarkt wahrscheinlich schon in der zweiten Jahreshälfte zu spüren bekommen, schätzt Tuchtfeld. "Wir werden etwas bescheidenere Fortschritte am Arbeitsmarkt haben, aber immer noch Fortschritte."

Von einem langsameren Abbau der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten geht auch Dresdner-Bank-Volkswirt Gregor Eder aus: "Die kräftige Aufwärtsentwicklung des ersten Quartals wird sich in den kommenden Monaten nicht aufrechterhalten lassen." Ein Grund ist nach seiner Ansicht auch die Entwicklung am Bau. Wegen der milden Witterung sei auf vielen Baustellen in Deutschland den Winter über durchgearbeitet worden. Nun fehlten die Aufträge, die bei normaler Winterung im Frühjahr für Beschäftigung sorgten.

Der bereits veröffentlichte Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit weist unterdessen auf eine Fortsetzung des Arbeitsmarkt-Aufschwungs auf hohem Niveau hin. Demnach hat die Nachfrage nach Arbeitskräften im Mai nach einer kurzen Stagnation im April wieder leicht angezogen. Dies zeige, dass viele Unternehmen weiterhin neu Arbeitsplätze schafften, so die Agentur. Der Indikator für das Angebot offener Stellen ist danach im Mai um drei Punkte auf 240 Punkte gestiegen. Damit lag der BA-X 41 Punkte über dem Vorjahresniveau. Gesucht seien vorrangig gute und hoch qualifizierte Mitarbeiter, betonte die Bundesagentur.

feh/dpa/AP/Reuters



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