Trotz Verbots Verbraucherzentrale beklagt Boom der Telefonwerbung

Unerwünschte Telefonwerbung ist in Deutschland gesetzlich verboten. Viele Unternehmen lassen sich trotzdem nicht davon abhalten, die Verbraucher am Telefon zu belästigen. Verbraucherschützer beklagen sogar einen regelrechten Boom.

Düsseldorf - "Telekommunikationsunternehmen sind Spitzenreiter bei der Masche, potenzielle Kunden mit unerlaubten Werbeanrufen zu bombardieren. Gewinnspiel- und Lottofirmen belegen den zweiten Platz", berichtete der Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Klaus Müller heute in Düsseldorf. Es fehle nach wie vor an wirksamen rechtlichen Mitteln gegen die Belästigung durch Vertreter und Call-Center.

Telefonwerbung ist in Deutschland nur erlaubt, wenn die Angerufenen vorab ihre Zustimmung erteilt haben. Dennoch registrieren die Verbraucherschützer allein in Nordrhein-Westfalen jährlich mehr als 12.000 Beschwerden verärgerter Kunden über unerwünschte Anrufe. Unerlaubte Telefonwerbung werde nach wie vor als Türöffner für den Vertrieb von Telefonverträgen, Glücksspielen, Versicherungen, Geldanlagen und Reisen genutzt, rügte Müller.

Die Verbraucherzentrale fordert deshalb schlagkräftigere Sanktionen des Gesetzgebers, "um die ungebremste Flut unerlaubter Werbeanrufe künftig wirkungsvoller einzudämmen". Sind bisher Verbraucher auch dann an Verträge gebunden, wenn sie auf illegalem Wege angeboten wurden, so fordert Müller für die Zukunft "eine Aufhebung der Vertragsbindung bei unzulässiger Werbung". Verbraucher müssten außerdem das Recht haben, auf Schadenersatz zu pochen. Auch die Gewinnabschöpfung bei den Unternehmen müsse wirksamer gestaltet werden.

Kritik übte die Verbraucherzentrale auch daran, dass die Verbraucherverbände bei Prozessen gegen Telefonabzocker zwar das volle Prozessrisiko tragen müssten, im Erfolgsfall jedoch die abgeschöpften Unrechtsgewinne in den Bundeshaushalt flössen. "Falls Verbraucherverbande bei vollem Risiko erfolgreich klagen, müssen ihnen auch die abgeschöpften Gewinne direkt zugute kommen", forderte Müller.

mik /AP

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