USA verschärfen Visaregeln Trump macht dicht

Einwanderer haben die USA groß gemacht. Nun schränkt Donald Trump die Visa-Vergabe ein - er will im Wahljahr Amerikanern Jobs verschaffen. Das trifft auch deutsche Unternehmen.
Von Ines Zöttl, Washington
Donald Trump besichtigt die Mauer an der US-Grenze zu Mexiko: Auch die behördlichen Hürden werden höher

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Foto: Evan Vucci/ dpa

Als Dennis Wagner für ein Praktikum in Detroit ankam, wollte der Student aus dem Bergischen Land nur für ein paar Monate bleiben. Inzwischen lebt Wagner seit fast 20 Jahren in den USA. In Atlanta im Bundesstaat Georgia hat er eine Tochtergesellschaft des Remscheider Stahllieferanten BESTAR aufgebaut. Wagner beschäftigt 15 Mitarbeiter, er zahlt Steuern in Amerika, seine Tochter hat gerade ihr Abitur in dem Südstaat gemacht, und inzwischen hat die ganze Familie die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Wenn es nach Donald Trump geht, könnte es in naher Zukunft solche Einwanderungserfolgsgeschichten kaum mehr geben.

Diese Woche hat der US-Präsident neue Visa-Beschränkungen verhängt, die Studenten, Au-pairs, Saisonarbeiter, aber auch Hochqualifizierte und Manager treffen. Trumps Begründung: In der durch Corona ausgelösten Konjunkturkrise stellten die Ausländer eine "außergewöhnliche Bedrohung für die Beschäftigung amerikanischer Arbeiter" dar. Der Regierung zufolge wird der zunächst bis Jahresende geltende Visum-Vergabestopp 500.000 Jobs für arbeitslose Amerikaner freiräumen. Die USA würden einen "America-First-Aufschwung" erzeugen, sagte ein hochrangiger Beamter im Gespräch mit Journalisten.

Für BESTAR-Gesellschafter Wagner heißt das, dass er künftig keinen Techniker mehr aus Deutschland einfliegen kann, wenn es bei einem seiner Kunden zu Problemen bei der Verarbeitung des speziellen Stahls für Säge- und Industriemesser kommt. Für andere Unternehmen sind die Folgen noch dramatischer. Autokonzerne wie VW oder BMW brauchen den ständigen Know-how-Transfer, schon weil Amerika keine Ausbildungsberufe wie den Mechatroniker kennt. Die College-Absolventen schauen sich das Handwerk von den importierten Ausbildern ab.

Ist die Regelung nur ein Manöver, um die Basis glücklich zu machen?

Deren L-1-Visa aber blockiert Trump nun genauso wie die Arbeitserlaubnis für ausländische Geschäftsführer von internationalen Konzernen. Und auch Saisonarbeiter, wie Trump selbst sie in seinen Golfklubs und Hotels als Reinigungskräfte und Kellner beschäftigt, trifft das Verbot, abgesehen von wenigen Ausnahmen.

Doch der Ex-Immobilienmogul hat derzeit andere Prioritäten: Im November wird gewählt. "Trump muss seine Basis glücklich machen", ist Wagner klar. Schließlich habe der Präsident in seiner Regierungszeit sonst wenig geliefert: "Es geht um Symbolik." So wie Wagner bezweifeln die meisten Beobachter, dass die Unternehmen nun anstelle von Ausländern massenhaft Amerikaner einstellen werden.

Sophie Alcorn ist Fachanwältin für Immigrationsrecht im Silicon Valley, sie hilft Firmen dabei, im Ausland angeworbene Fachkräfte in die USA zu holen. Viele ihrer Kunden sind Techkonzerne und IT-Start-ups, immer wieder hätten die das gleiche Problem. "Meine Kunden sagen mir: 'Sophie, wir wären froh, wenn wir dich und die Kosten sparen könnten, aber wir finden hier niemanden für den Job'."

Besonders in der Techbranche ist die Empörung groß

Rund drei Viertel der sogenannten H-1B-Visa für Spezialisten gehen traditionell an die Techbranche. Die Unternehmen lassen sich den aufwendigen Antragsprozess oft Tausende Dollar kosten, um Experten für Zukunftsfelder wie künstliche Intelligenz ins Land zu holen. Und fast jedes zweite der Fortune-500-Unternehmen wurde nach einer Studie von 2017 von einem Einwanderer oder dem Kind eines Einwanderers gegründet.

In der Techbranche löste Trumps jüngstes Abschottungsmanöver flächendeckend Ärger aus:

  • Apple-Chef Tim Cook äußerte sich "tief enttäuscht". Amerika sei eine Einwanderungsnation, die auf Verschiedenheit und der "fortwährenden Hoffnung auf den amerikanischen Traum" aufgebaut sei, erklärte Cook: "Ohne beides wird es keinen neuen Wohlstand geben."

  • Amazon, das 2019 mehr H-1-B-Visa erhielt als jedes andere Unternehmen, warnte vor einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsmacht.

  • Selbst Tesla-Chef Elon Musk, der als Präsidentenversteher gilt, kritisierte den Visastopp.

  • Es sei "jetzt nicht die Zeit, um unser Land vom Talent der Welt abzuschneiden oder Unsicherheit und Angst zu schaffen", warnte Microsoft-Präsident Brad Smith

Genau das aber scheint Trump bereits gelungen. Ihr Telefon stehe nicht mehr still, sagt Anwältin Alcorn. Ob Unternehmen, Arbeitsmigranten oder auf die Wiedervereinigung hoffende Familienangehörige - "alle haben Angst". Alcorn glaubt, dass viele nun den Kampf um eine Arbeitserlaubnis aufgeben könnten: "Ich befürchte, dass die Regelung ihr Ziel erreicht, die Menschen abzuschrecken und Immigranten zu Sündenböcken zu machen."

Cornel Fuerer ist einer von denen, die Trumps Anti-Immigrations-Kurs mit wachsendem Unwohlsein beobachten. Der Schweizer Jurist gehört zu der Sorte hoch qualifizierter Zuwanderer, um die sich Regierungen in aller Welt reißen. Er hat in Genf und New York studiert und unter anderem in Hongkong und Düsseldorf gearbeitet. 2007 schickte ihn sein Arbeitgeber DuPont nach St. Louis, Missouri.

Zug um Zug wird der Kurs gegen Einwanderer verschärft

Inzwischen haben Fuerer und seine Familie die begehrte Greencard, die ihnen ein dauerhaftes Bleiberecht in den USA gibt. Auf dem Papier jedenfalls. Ganz sicher fühlt sich der Vizepräsident des Saatgut- und Agrarchemieunternehmens Corteva Agriscience nicht mehr: "Das sind sehr beängstigende Zeiten für jeden, der nicht US-Staatsbürger ist." Fuerer beobachtet, wie die Trump-Regierung ihren Kurs gegen Immigranten Zug um Zug verschärft.

Dabei ist er sicher, dass er keinem Amerikaner den Job weggenommen habe. Schließlich musste sein Arbeitgeber die US-Behörden davon überzeugen, dass der Ausländer nicht ersetzbare Qualifikationen mitbringt. Fuerer will seine Wahlheimat USA nicht verlassen. Trump stehe nicht für die Mehrheit der Gesellschaft, glaubt er: "Nur ein kleiner Randanteil der Bevölkerung ist fremdenfeindlich."

Auch Anwältin Alcorn ist überzeugt, dass Amerika für viele Menschen auf der Welt immer noch "der Leuchtturm der Hoffnung" ist. Doch wenn sie nun mit Freunden aus Deutschland telefoniere, sei von Sehnsucht nach der Neuen Welt wenig zu spüren: "Sie sagen mir: 'Amerika brennt, warum sollte ich dahin umziehen?'" Die Juristin hat darauf immer noch eine Antwort: "Ich versuche zu erklären, dass das Handeln unseres Präsidenten nicht unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft widerspiegelt."

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