US-Präsident vs. Notenbank Und es soll Boom machen

Der angezettelte Handelsstreit droht zum Währungskrieg zu eskalieren. Dazu will Donald Trump auch die Fed instrumentalisieren. Der US-Präsident braucht niedrige Zinsen und eine gute Konjunktur für die Wiederwahl. Eine riskante Strategie.
Donald Trump: Immer weniger Einfluss der Berater

Donald Trump: Immer weniger Einfluss der Berater

Foto: Evan Vucci/ DPA

Normalerweise halten sich pensionierte US-Notenbankchefs aus den Geschäften ihrer Nachfolger heraus. Doch in dieser Woche machten die vier letzten Fed-Vorsitzenden eine Ausnahme - sie fürchten die Zukunft.

Die Federal Reserve, so warnten Janet Yellen, Ben Bernanke, Alan Greenspan und Paul Volcker in einem Essay, müsse auch weiter "im besten Interesse der Nation" handeln können statt "im Interesse einer kleinen Gruppe Politiker". Verlöre die Fed ihre Unabhängigkeit, drohten "instabile Finanzmärkte" - und noch viel Schlimmeres .

Ihren eigentlichen Adressaten nannten die vier nicht beim Namen. Doch jeder wusste natürlich, wer gemeint war: Donald Trump.

Die Warnung kommt fast zu spät. Im eskalierenden Handels- und nun wohl auch Währungskrieg mit China setzt der US-Präsident die Fed immer mehr unter Druck, um sie für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Schließlich sieht er die Zentralbank nicht als eigenständige Institution - sondern als verlängerten Arm seiner gefühlten Macht.

Ein Tabubruch mit Folgen: Die Konfrontation mit China, die Trump zu entgleiten scheint, stellt die Fed auf ihre bisher härteste Bewährungsprobe.

Seit Monaten nötigt Trump die Fed und ihren drangsalierten Chef Jerome Powell, ihm im Handelskrieg geldpolitischen Flankenschutz zu geben und mit Niedrigzinsen dafür zu sorgen, dass die Konjunktur zumindest bis zu den nächsten US-Wahlen brummt - denn das wäre die wichtigste Voraussetzung für eine zweite Amtszeit Trumps.

Cool unter Druck: Fed-Vorsitzender Jerome Powell

Cool unter Druck: Fed-Vorsitzender Jerome Powell

Foto: JIM LO SCALZO/EPA-EFE/REX

Bisher konnte sich Powell dem Druck zwar entziehen. "Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle", versicherte er vergangene Woche, als die Fed trotzdem und erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen senkte.

Doch Trump stichelt weiter. "Hörst du zu, Federal Reserve?", twitterte er, als Peking jetzt ein neues Schlachtfeld eröffnete, indem es den Yuan-Kurs fallen ließ. Was Trump meinte, präzisierte sein Berater Peter Navarro am Dienstag bei Fox News, Trumps Haussender: Die Fed müsse die Zinsen jetzt noch mehr senken - bis Jahresende um "weitere mindestens 75 oder 100 Basispunkte".

Eine unerhörte Forderung: Die Fed soll also so tun, als herrsche bereits Rezession, um die Folgen von Trumps Handelskrieg abzufedern. "Die Versuche des Präsidenten, die Fed-Linie zu kontrollieren, stellen eine schwere Bedrohung für Märkte und Investoren dar", empört sich Howard Gold, ein Kolumnist der Börsen-Website "Marketwatch".

Zumal sich China selbst von einer Trump-hörigen Fed wohl kaum beeindrucken ließe. "Die Verhandlungsposition der USA ist sehr schwach", sagt Adam Posen, der Chef des Peterson Institutes for International Economics. "Die Fed kann das nicht beeinflussen."

Denn China zieht seinerseits die Schrauben an: Seine jüngste Weigerung, US-Agrarprodukte zu importieren, trifft vor allem Trump-Hochburgen im Mittleren Westen. Trumps Strategie von "Eskalation und Antagonismus" mache alles nur schlimmer, klagt Roger Johnson, der Präsident der National Farmers Union, des zweitgrößten US-Bauernverbands. Die Farmer könnten dem "nicht viel länger standhalten".

Doch Trump glaubt weiter, Handelskriege seien "leicht zu gewinnen". Obwohl sich bisher nur schwächere Staaten wie Mexiko oder Kanada mit den USA arrangierten. Deshalb wird Trump immer unberechenbarer. Im Handelskrieg ignoriere er den Rat seiner Experten zusehends und agiere lieber "nach Intuition", "Instinkt" und "persönlicher Erfahrung", berichtete die "Washington Post".

Immer wieder Attacken in Richtung China

Etwa der jüngste Vorwurf der USA, Peking manipuliere den Yuan. Wie berechtigt der ist, ist umstritten: Der Kursrückgang könnte zumindest teilweise auch eine normale Reaktion auf die Abschwächung der chinesischen Konjunktur sein, verursacht nicht zuletzt auch durch Trumps Zölle. Sprich: Trump könnte die Yuan-Abwertung selbst mitprovoziert haben.

Trotzdem beschuldigte er China, zunächst auf Twitter, der Währungsmanipulation. Sechs Stunden später klassifizierte das US-Finanzministerium China offiziell als "Währungsmanipulator", als habe es dem Tweet Rechnung tragen müssen. Der Schritt ist zwar eher symbolisch, doch er verschärft den Ton und könnte zu neuen Zöllen führen.

Ein endloser Kreislauf. Selbst das "Wall Street Journal" wendet sich mittlerweile von Trump ab: Seine Handelsstrategie, schreibt es, sehe "schlimmer aus denn je" und führe zu "finanziellem Gemetzel". "Sein Handelskrieg ist zum Währungskrieg geworden, was den potenziellen wirtschaftlichen Schaden auf ein ganz anderes Niveau hebt."

"Manchmal", resümierte die Zeitung, "enden Handelskriege für alle schlecht."

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