Freihandelsabkommen TTIP Viel motzen, wenig lesen

Sie forderten Transparenz, bekamen sie zum Teil - und fingen wenig damit an: Laut einem Zeitungsbericht hat kaum jemand die Dokumente zu den TTIP-Verhandlungen gelesen, die die EU-Kommission nach massivem Protest ins Netz gestellt hatte.
Anti-TTIP-Protest: Die intellektuelle Aufarbeitung lässt zu wünschen übrig

Anti-TTIP-Protest: Die intellektuelle Aufarbeitung lässt zu wünschen übrig

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Gegner von TTIP haben sich lange über fehlende Transparenz beklagt. Die EU-Kommission reagierte und stellte mehrere Dokumente zu den Verhandlungen ins Internet . Jetzt zeigt sich: Es wird zwar insgesamt viel gemeckert über das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA - aber es wird wenig darüber gelesen.

Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Freitag unter Berufung auf Zahlen der EU-Kommission berichtet , wurden die am 7. Januar ins Internet gestellten englischsprachigen Verhandlungstexte bis zum 8. April nur knapp 2300-mal angeklickt. Dies entspreche 760 Klicks im Monat und 25 Klicks am Tag.

Am häufigsten wurde dem Bericht zufolge noch das Verhandlungsangebot der EU-Kommission zur Lebensmittelsicherheit und dem Tier- und Pflanzenschutz aufgerufen, worunter auch das im Zuge der Verhandlungen oft zitierte Chlorhühnchen fällt. Binnen drei Monaten sei dieser Text immerhin 4943-mal angeklickt worden.

Das am 10. Februar im Internet veröffentlichte EU-Verhandlungsangebot zu der stark umstrittenen regulatorischen Zusammenarbeit wurde dem Bericht zufolge bis zum 8. April ebenfalls knapp 5000-mal angeklickt. Bei der regulatorischen Zusammenarbeit geht es um die frühzeitige Einbindung der jeweils anderen Seite bei neuen Gesetzen.

Die Zahlen gäben keinen Aufschluss darüber, wie lange und ausführlich sich die Internetnutzer mit den angeklickten Dokumenten befasst hätten, schreibt die "FAZ" weiter.

Deutlich häufiger als die Verhandlungsdokumente wurde demnach die Überblicksseite zu den TTIP-Verhandlungen angeklickt, auf der neben den Verhandlungstexten auch erläuternde Stücke und Faktensammlungen stünden. Die englischsprachige Seite sei seit Anfang 2015 von immerhin 104.000 Nutzern besucht worden, die deutschsprachige Seite hingegen nur von 5142 Interessenten.

ssu/AFP
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