Inflation in der Türkei Erdoğan tauscht im Lira-Chaos erneut Finanzminister aus

Die türkische Landeswährung taumelt – und Präsident Erdoğan versucht, mit Personalwechseln gegenzusteuern. Nach kaum einem Jahr im Amt muss der Finanzminister gehen.
Recep Tayyip Erdoğan

Recep Tayyip Erdoğan

Foto: UMIT BEKTAS / REUTERS

Der wegen der stark nachgebenden Landeswährung und damit verbundener Wirtschaftsprobleme unter Druck geratene türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan tauscht den Finanzminister aus. Lütfi Elvan verlässt das Amt nach nur etwas mehr als zwölf Monaten und wird durch Nureddin Nebati ersetzt, wie aus einer offiziellen Mitteilung vom Mittwochabend hervorgeht.

In nur einem Monat hatte die Lira fast 30 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar verloren, die Inflation liegt mittlerweile bei knapp 20 Prozent. Das schmälert die Einkünfte und Ersparnisse der Türken rapide, bringt viele Haushalte in Bedrängnis und führt sogar dazu, dass kaum noch importierte Medikamente aufgetrieben werden können.

Der Kurs der Lira zum US-Dollar rutschte gestern zeitweise auf 13,87 Lira ab, erholte sich dann aber wieder bis auf 12,42 Lira – ein Anstieg von mehr als acht Prozent am Tag. Das lag auch an der Zentralbank. Diese griff nach eigenen Angaben direkt in den Devisenmarkt ein – »durch Verkaufstransaktionen aufgrund ungesunder Preisformationen bei den Wechselkursen«.

Die Talfahrt der türkischen Lira hatte sich zuletzt beschleunigt, für zusätzlichen Druck hatte am Dienstagabend ein Interview Erdoğans beim Staatssender TRT gesorgt, in dem er bis zu den für 2023 geplanten Wahlen niedrigere Zinsen versprochen hatte. An diesem Mittwoch intervenierte die türkische Notenbank dann zur Stützung der Landeswährung Lira am Devisenmarkt.

Viele Notenbanker mussten bereits gehen

Die Währung der Türkei befindet sich schon länger unter Druck, die Wirtschaft des Landes leidet schwer darunter. Hintergrund sind die Einmischungen Erdoğans in die Geldpolitik der Notenbank. Entgegen jeder geltenden volkswirtschaftlichen Vernunft vertritt der Staatspräsident die Ansicht, hohe Zinsen förderten die Inflation.

Viele Notenbanker, die sich mehr oder weniger gegen Erdoğans Ansichten stellten, mussten bereits ihre Posten räumen.

jok/dpa