Versorgungsengpass Türkische Regierung stellt Industrie Strom und Gas ab

Wegen Lieferengpässen dreht die türkische Regierung den Unternehmen des Landes für mindestens drei Tage die Energie ab. Viele Firmen reagieren geschockt. Auch die deutsche Wirtschaft ist besorgt.
Demo gegen hohe Energiepreise in der Türkei am Samstag: Protestierende verbrennen Gasrechnungen

Demo gegen hohe Energiepreise in der Türkei am Samstag: Protestierende verbrennen Gasrechnungen

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ERDEM SAHIN / EPA

Wegen eines Versorgungsengpasses des Gaslieferanten Iran kappt die türkische Regierung den Unternehmen des Landes die Strom- und Gasleitungen. Firmen, die dennoch Gas beziehen, drohen strafrechtliche Konsequenzen, wie das »Handelsblatt « am Montag berichtete. Zuletzt hatte die Türkei dem Bericht nach rund 16 Prozent ihres Energiebedarfs aus Iran gedeckt. Laut iranischen Angaben hätten ungewöhnlich niedrige Temperaturen den eigenen Gasverbrauch so sehr in die Höhe steigen lassen, dass weniger exportiert werden könne.

Viele Unternehmen traf die plötzliche Ankündigung offenbar unvorbereitet. »Ich weiß nicht, ob ich in dieser Woche überhaupt meine Arbeiter in die Fabrik schicken soll«, wird ein Firmenvertreter zitiert. Der Manager eines deutschen Werks sagte demnach, er könne nicht von jetzt auf gleich seine Hochöfen abschalten. »Das würde einen Millionenschaden bedeuten.« Strafzahlungen müsse man in Kauf nehmen.

Der türkische Autoproduzent Tofas habe bereits bekannt gegeben, die Produktion für drei Tage komplett zu unterbrechen, schreibt das Handelsblatt. Renault will seine Clio-Produktion im Land demnach von Montag an sogar für zwei Wochen komplett unterbrechen – neben der Gasversorgung fehlten auch Computerchips. Der Präsident des türkischen Automotive-Verbands OSD, Haydar Yenigün, sprach von »komplett unvorhersehbaren Entwicklungen«. Diese würden die Produktion und den Export im Januar heftig treffen.

Angesichts der Entwicklung blickt die deutsche Wirtschaft besorgt auf die Lieferketten mit Bezug zum Land. Thilo Pahl, Geschäftsführer der Außenhandelskammer Istanbul, sagte dem Blatt, die Auswirkung der Energiekappung auf die produzierenden Unternehmen wäre erheblich. »Die angespannte Situation in den Lieferketten würde sich weiter verschärfen.«

Energiepreise zum Jahreswechsel deutlich angehoben

Die Türkei kämpft seit längerer Zeit mit einer Wirtschaftskrise und dem rasanten Kursverlust der Landeswährung Lira. Erst zum Jahreswechsel wurden die Strompreise für Haushalte um 50 Prozent und für verbrauchsstarke Unternehmen sogar um mehr als 100 Prozent angehoben. Auch Gas wurde erheblich teurer.

sol
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