Wirtschaftskrise Inflation in Türkei überschreitet 50-Prozent-Marke

Das Leben für die Türken verteuert sich weiterhin dramatisch. Im Februar stieg die Inflation auf mehr als 50 Prozent. Noch dramatischer war die Entwicklung bei den Erzeugerpreisen.
Großer Basar in der türkischen Metropole Istanbul

Großer Basar in der türkischen Metropole Istanbul

Foto: DILARA SENKAYA / REUTERS

Die Coronakrise, der Absturz der Landeswährung und nun der Ukrainekrieg: Die türkische Wirtschaft befindet sich weiter in einer schweren Krise. Die Inflation im 84-Millionen-Einwohner-Land stieg im Februar auf mehr als 50 Prozent.

Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 54,44 Prozent, wie das nationale Statistikamt in Ankara mitteilte. Im Januar hatte der Anstieg rund 49 Prozent betragen. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise um 4,8 Prozent.

Besonders Transport, Haushaltsgeräte und Lebensmittel verteuerten sich. Die Erzeugerpreise legten im Februar laut der Statistikbehörde sogar um 105 Prozent im Jahresvergleich zu.

Erdoğan hält an lockerer Geldpolitik fest

Als Hauptgrund für den starken Anstieg der Verbraucherpreise gilt die lockere Ausrichtung der türkischen Geldpolitik. Trotz der hohen Inflation hat die türkische Notenbank im vergangenen Jahr den Leitzins mehrfach gesenkt, auf zuletzt 14,0 Prozent. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist erklärter Gegner hoher Zinsen, die von Ökonomen als Mittel gegen eine hohe Inflation empfohlen werden. Hinzu kommen vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine hohe Öl- und Energiepreise.

Die Türkei unterhält enge Beziehungen zur Ukraine und zu Russland. Ankara verurteilt die Invasion, beteiligt sich aber nicht an Sanktionen gegen Russland. Der Sprecher von Präsident Erdoğan, Ibrahim Kalin, begründete das kürzlich unter anderem mit den engen wirtschaftlichen Verbindungen seines Landes zu Russland. Er betonte im Sender CNN  International auch, dass ein Gesprächskanal zu Russland offen bleiben müsse.

Noch im Februar hatte der türkische Finanzminister Nureddin Nebati in einem Interview mit der japanischen Wirtschaftszeitung »Nikkei« gesagt, dass er den Höhepunkt des Anstiegs bei den Verbraucherpreisen im April erwartet. Eine Inflation von über 50 Prozent hatte er aber nicht erwartet.

Immerhin ist es der türkischen Regierung mittlerweile gelungen, die Landeswährung Lira nach einem dramatischen Absturz im vergangenen Jahr zu stabilisieren.

bam/dpa