Türkei Erdoğan hebt Mindestlohn wegen Inflation um 50 Prozent an

Nie war die türkische Lira weniger wert, die Inflationsrate steigt weiter – und dennoch bleibt die Notenbank bei ihrem unorthodoxen Kurs, den Leitzins zu senken. Ein deutlich höherer Mindestlohn soll die Wende bringen.
Wählt drastische Mittel, um der hohen Inflation zu begegnen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan

Wählt drastische Mittel, um der hohen Inflation zu begegnen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan

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Burhan Ozbilici / AP

Die Türkei hebt angesichts der starken Kaufkraftverluste durch hohe Inflation und Währungskrise den Mindestlohn stark an. Er steige im kommenden Jahr um 50 Prozent auf 4250 Lira (rund 241 Euro) pro Monat, wie Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte. »Ich glaube, dass wir mit dieser Erhöhung unsere Entschlossenheit unter Beweis stellen, unsere Arbeitnehmer davor zu bewahren, von Preissteigerungen erdrückt zu werden«, sagte Erdoğan. Die Regierung werde zudem die Steuern auf den Mindestlohn aufheben, um die Arbeitgeber zu entlasten.

Die Inflationsrate ist im November sprunghaft auf mehr als 21 Prozent gestiegen. Im kommenden Jahr dürfte die Geldentwertung nach Prognose von Ökonomen sogar 30 Prozent erreichen.

Dennoch senkte die türkische Notenbank erneut den Leitzins von 15 auf nun 14 Prozent, es ist die vierte Senkung in Folge. Die Lira gab unmittelbar nach. Erstmals mussten für einen US-Dollar mehr als 15 Lira gezahlt werden, für einen Euro waren erstmalig mehr als 17 Lira fällig. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung rund die Hälfte ihres Werts zu Dollar und Euro verloren .

Dadurch werden Importe – etwa von Öl und Medikamenten – teurer, weil diese zumeist in Devisen wie Dollar oder Euro bezahlt werden müssen. »Unsere Währung ist die Lira, und wir werden nicht zulassen, dass sie geschluckt wird«, sagte Erdoğan.

Unorthodoxe Geldpolitik

Den Grund für die Währungskrise und starke Inflation sehen die Experten auch in der unorthodoxen Geldpolitik der Zentralbank. Erdoğan will mit der Senkung des Leitzinses Exporte, Kredite und Wachstum vor der Wahl im Jahr 2023 ankurbeln. »Wir sind entschlossen, der Unsicherheit, die durch die Wechselkursschwankungen und die exorbitanten Preissteigerungen entstanden ist, so schnell wie möglich ein Ende zu setzen«, sagte Erdoğan.

Die Zentralbank hat in den vergangenen Monaten rapide an Ansehen bei Investoren verloren. Dazu trug Erdoğan bei , der wiederholt Zinssenkungen forderte und drei Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren entließ.

hba/dpa/Reuters
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