Ratingagentur Standard & Poor's stuft Türkei als "Hochrisiko"-Land ein

Die Fehde zwischen der Türkei und Standard & Poor's spitzt sich zu. Die Regierung in Ankara überzieht die Ratingagentur mit Drohungen, die Finanzprofis kontern mit einer düsteren Bewertung.

Finanzviertel in Istanbul
REUTERS

Finanzviertel in Istanbul


Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Türkei als "Hochrisiko"-Land eingestuft. Zuvor waren Investoren bereits vor einem "ziemlich hohen Risiko" gewarnt worden. Die Bewertung folgt auf Drohungen der türkischen Regierung, die sich lautstark über "fehlerhafte Entscheidungen" der internationalen Ratingagenturen beschwert hatte.

Standard & Poor's hatte im vergangenen Monat schon die Bonität türkischer Staatsanleihen herabgestuft und den Ausblick auf "negativ" gesetzt, was weitere Verschlechterungen der Kreditwürdigkeit andeutet. Die Agentur begründete die schlechtere Einschätzung mit den Folgen des versuchten Militärputsches und der Polarisierung im Land.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warf Standard & Poor's daraufhin "Türkenfeindlichkeit" vor. Die Herabstufung sei "völlig politisch" motiviert gewesen. "Wir sind doch gar nicht dein Mitglied, was geht es dich an, wer bist du denn?", sagte Erdogan bei einer Rede mit Blick auf Standard & Poor's.

Vergangene Woche kündigte der türkische Vizeministerpräsident Mehmet Simsek Schritte gegen Ratingagenturen an. Es gebe keinen Grund, die Bonität der Türkei schlechter einzuschätzen. Der gescheiterte Putsch hat die wirtschaftlichen Aussichten der Türkei eingetrübt. Andererseits gilt das Bankensystem des Landes als weitgehend stabil.

Einschätzungen der Ratingagenturen können Einfluss auf die Konditionen haben, zu denen sich Staaten an den internationalen Finanzmärkten Geld leihen. Je schlechter die Bonität, desto höher ist in der Regel der Zins, der gezahlt werden muss.

Bei der Risikobeurteilung eines Landes werden Gefahren berücksichtigt, die die Geschäftstätigkeit in dem Land beeinträchtigen können. Diese Gefahren können wirtschaftlicher, institutioneller oder rechtlicher Art sein oder von den Finanzmärkten herrühren.

asa/Reuters/dpa



insgesamt 172 Beiträge
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allessuper 01.08.2016
1. Wer bitteschön
ist dieses standard und poor wie der Name schon sagt? Wieder eine Selbst-Inszenierung der USA, ebenso wie die anderen Rating-Agenturen und die Fed. So geschickt wurde uns dieses Zäpfchen verabreicht, dass wir es nicht einmal merken, wenn wir.. Hier wird einmal mehr Monopoly gespielt, nach den Regeln, die dieses Land geschrieben hat und nach Laune ändert. Dass wir immerzu mitspielen und hoffen zu gewinnen ist ja schon mindestens so komisch wie ein Hund, der sich in den Schwanz beißt und im Kreise dreht.
peteftw 01.08.2016
2. Amüsant
Es ist geradezu lustig, wie sich Herr Erdogan strampelnd und schreiend gegen seine "Feinde" wehrt, die offensichtlich überall lauern und "Türkenfeindlich" sind. Wäre wirklich lustig, wäre es nicht gleichzeitig so traurig und gefährlich...
mowlwrf 01.08.2016
3.
Der wirtschaftliche Druck ist vermutlich die einzige Möglichkeit dem Sultan und seinem Gefolge die Grenzen ihrer Seifenblase aufzuzeigen. Immer drauf. Daumen hoch
majonga 01.08.2016
4. Türkischer BIP 10 000$
Wenn der jährliche BIP in der Türkei 10 000$ ist aber dann noch mit 70% verschuldet ist dann ist das ein absolutes Novum für die Türkei. Das würde heißen das Erdogan seine jetzige Politik nicht mehr weiterführen könnte. Es kommen schwere Zeiten auf die Türkei zu weil Erdogan und die AKP nur durch die Investoren so ätzt. Wenn keine Investoren mehr für die Türkei da ist hört endlich die faschistische Politik von der jetzigen Regierung auf....
vukoff 01.08.2016
5.
Die Türkei ist der Meinung, dass man die Welt nur beschimpfen und bedrohen muss um das zu bekommen was man will. Ib das funktioniert wird sich zeigen. Unterm Strich ist und bleibt die Türkei allerdings ein Land vor dem man keine Angst haben muss.
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