Inflation im Oktober bei 85 Prozent Türkische Notenbank forciert Ende der Zinssenkungen

Zum vierten Mal in Folge hat die Zentralbank in Ankara den Leitzins gesenkt, doch so soll es nicht weitergehen. Dabei ist Präsident Erdoğan Gegner von Zinserhöhungen – obwohl sie ökonomisch geboten wären.
Türkische Lira (Bild von November 2021): Leitzins auf neun Prozent reduziert

Türkische Lira (Bild von November 2021): Leitzins auf neun Prozent reduziert

Foto: Sadat / dpa

Die türkische Notenbank hat ihren Leitzins ungeachtet der sehr hohen Inflation erneut gesenkt. Der Leitzins werde um 1,5 Prozentpunkte auf neun Prozent reduziert, teilte die Zentralbank in Ankara mit. Volkswirtinnen und Volkswirte waren von diesem Schritt ausgegangen. Dabei handelt es sich um die vierte Leitzinssenkung in Folge.

Die Notenbank will die Zinsen jedoch nicht noch weiter senken. »In Anbetracht der zunehmenden Risiken für die globale Nachfrage kam der Ausschuss zu dem Schluss, dass der derzeitige Leitzins angemessen ist und beschloss, den im August eingeleiteten Zinssenkungszyklus zu beenden«, heißt es in der Mitteilung zur Zinsentscheidung.

Die Inflation hatte im Oktober bei 85,5 Prozent gelegen – so hoch wie zuletzt 1998. Eigentlich wären nach ökonomischer Lehrmeinung deutliche Zinserhöhungen angesagt, um die wirtschaftliche Aktivität abzukühlen und die Teuerung so in den Griff zu bekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Zentralbanken kämpft die türkische Notenbank jedoch nicht mit Zinsanhebungen gegen die steigende Teuerung.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan indes gilt als Gegner hoher Zinsen. So hat er zuletzt gefordert, dass die Leitzinsen noch in diesem Jahr in den einstelligen Bereich sinken sollten (Lesen Sie hier mehr dazu).

Die türkische Lira reagierte am Donnerstag nur mit vorübergehenden Kursausschlägen. Die extrem lockere türkische Geldpolitik und die Zinserhöhungen anderer wichtiger Notenbanken hatten den Kurs der Lira in diesem Jahr stark belastet. Die schwache Lira verteuert die Importpreise und treibt die Inflation zusätzlich an. Hinzu kommen anhaltende Probleme in den internationalen Lieferketten, die Vorprodukte teurer machen. Daneben steigen die Preise von Energie und Rohstoffen, vor allem wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

ani/dpa
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