TUI Fredriksen baut seine Stellung aus

Zweikampf um TUI: Zwei Wochen vor der Hauptversammlung spitzt sich der Kampf um Macht und Einfluss in dem Reise- und Schifffahrtskonzern zu. Der norwegische Reeder John Fredriksen hat sich jetzt mit dem Kauf zusätzlicher Anteile eine Vorteil verschafft.


Hannover - Der größte Einzelaktionär von TUI heißt jetzt John Fredriksen. Über seine Gesellschaft Monteray Enterprises erwarb der norwegische Reeder 29,515 Millionen TUI-Aktien, und verfügt jetzt über 11,747 Prozent der Stimmrechte, wie die Gesellschaft mitteilte.

Containerschiff der TUI-Tochter Hapag-Lloyd: Machtkampf im Aufsichtsrat spitzt sich zu
DPA

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Damit hat Fredriksen den russischen Milliardär Alexej Mordaschow überflügelt, der erst kürzlich seinen Anteil auf rund zehn Prozent verdoppelt hatte. Mordaschow gilt als Vertrauter von TUI-Chef Michael Frenzel. Anfang der Woche hatte er gesagt, es sei noch zu früh, um über einen Ausbau seiner Beteiligung zu reden. Zuvor war spekuliert worden, er könne seinen Anteil auf 20 Prozent anheben wollen, um so seinen Einfluss bei den Hannoveranern abzusichern.

Fredriksen gilt im Gegensatz zu Mordaschow als energischer Kritiker von Frenzel und will diesen künftig mit Hilfe des Aufsichtsrats stärker an die Kandare nehmen. Trotz des Gegenwinds von Mordaschow hält er deshalb nach eigenem Bekunden an seinen Plänen für einen Einzug in das Kontrollgremium fest. Die beiden bisherigen TUI-Aufsichtsräte Jürgen Krumnow und der frühere österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky sollen dafür weichen. Mordaschow will Fredriksens Pläne stoppen.

Am Aktienmarkt stieß die Nachricht über die neuen Beteiligungsverhältnisse zu Handelsbeginn auf wenig Interesse. TUI-Aktien stiegen in einem freundlichen Marktumfeld 0,34 Prozent auf 17,48 Euro. "Welt Online" zitierte am Vorabend aus einem offenen Brief Fredriksens, in dem dieser die bestehende Kontrollstruktur bei TUI erneut kritisierte. Er stellte demzufolge die Frage, ob einzelne Aufsichtsratsmitglieder wirklich objektiv Kontrolle ausüben können, wenn sie gleichzeitig "geschäftliche Beziehungen mit der TUI-Gruppe haben sollen".

Scharf kritisiere der neue Großaktionär dem Online-Bericht zufolge auch die Kurs-Entwicklung der TUI-Aktie in der Ära Frenzel: Das Papier habe sich deutlich schlechter entwickelt als der Dax. "Ein Investment von 1000 Euro im Jahre 1994 ist heute nur noch 970 Euro wert - inklusive re-investierter Dividenden", so Fredriksen.

mik/dpa-AFX/AFP/Reuters



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