TV-Pläne Früherer "Bild"-Chef watscht Springer ab

Der geplante Verkauf von ProSieben, mit dem der Springer-Verkauf doch eine Zustimmung zu seinen TV-Plänen erkaufen will, verunsichert nicht nur die Mitarbeiter des Senders - auch ein prominenter Ex-Manager des "Bild"-Verlags mischt sich unter die Kritiker.


Frankfurt am Main - Der frühere "Bild"-Chefredakteur und Springer-Vorstand Claus Larass äußerte in einem Zeitungsbeitrag Zweifel am Sinn der geplanten Aufteilung der TV-Gruppe ProSiebenSat.1 Chart zeigen. "Wie werden die Aktionäre reagieren, wenn dieser mühsame Prozess wieder rückwärts läuft?", schreibt Larass im "Handelsblatt" von Freitag.

Sat.1 und ProSieben seien schließlich erst im Jahr 2000 fusioniert worden. Jahrelang hätten sich die Aktionäre danach "mit geringen Dividenden abfinden müssen", so Larrass weiter, und: "Sie werden sich wehren, werden klagen. Das Management von ProSieben muss sich schon aus juristischen Gründen gegen eine Zerschlagung wehren." Larass war bis 2003 selbst bei ProSiebenSat.1 tätig.

Springer-Zentrale: Fernsehen nur ein Nebenkriegsschauplatz für die Schlacht um die Zukunft?
DPA

Springer-Zentrale: Fernsehen nur ein Nebenkriegsschauplatz für die Schlacht um die Zukunft?

Der Axel Springer Verlag hatte gestern angeboten, nach der umstrittenen Übernahme von ProSiebenSat.1 den renditestärksten Sender ProSieben abzuspalten. So will der Verlag doch noch die Zustimmung des Kartellamtes und der Medienaufsicht KEK erkaufen, die den Milliarden-Deal bisher ablehnten.

Larass räumte in seinem Beitrag ein: "Könnte man eine TV-Gruppe neu auf dem Reißbrett entwerfen, wäre die neue Lösung gar nicht so abwegig. Die Münchener TV-Gruppe litt immer unter der Doppelspitze von zwei starken Sendern."

Déjà-vu: Saban und Döpfner feilschen wieder ums Geld

In der Praxis überwögen aber die Probleme: "Springer oder Pro Sieben müssten auch eine neue Vermarktung aufbauen, da das Kartellamt die gemeinsame untersagt. Wenn der Werbezeiten-Verkauf auch nur einige Monate stottert, entstehen immense Verluste. Allein dies reicht schon aus, die Pläne für eine Aufteilung zu versenken."

Unklar sei auch, wie sich die neue Gruppe international absichern wolle. "Mit welcher Kraft wird da Sat.1 in Hollywood auftreten, wenn neue Filmpakete angeboten werden?" Larass zeigte sich davon überzeugt, dass für die Springer "die Print-Strategie über die Zukunft entscheiden wird, nicht der Ausflug ins Fernsehen. Insofern wäre ein schnelles Ende der TV-Expedition für Springer kein wirklicher Verlust."

Springer und der bisherige Mehrheitsaktionär von ProSiebenSat.1, Haim Saban, wollen einem anderen Pressebericht zufolge in der kommenden Woche neu verhandeln. Verlagschef Mathias Döpfner und Saban müssten vor dem Hintergrund der vorgeschlagenen Abspaltung von ProSieben neue Bedingungen finden, berichtete der "Tagesspiegel". Saban sei im Grundsatz dazu bereit, hieß es unter Berufung auf Döpfners Umfeld. Noch gebe es aber Zweifel, ob es gelinge, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen.

Es geht wohl vor allem um den Kaufpreis. Auch Experten rätseln über den Wert von ProSieben. Analysten schwanken in ihrem Wert-Urteil für ProSieben zwischen 1,3 und drei Milliarden Euro. Es sei schwer für einen Käufer, den Kanal außerhalb der Gruppe zu bewerten, sagen sie.

In den ersten neun Monaten 2005 erwirtschaftete ProSieben allein rund 44 Prozent des operativen Gewinn des Fernsehkonzerns. Bei den Zuschaueranteilen lag der Sender mit 11,8 Prozent in der für die Werbung attraktiven Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen aber knapp hinter der Schwester Sat.1 zurück, die auf 12,2 Prozent kam. Springer könnte sich aber für Sat.1 und gegen ProSieben entschieden haben, weil das Programm von Sat.1 breiter aufgestellt ist und mehr Kundengruppen erreicht.



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