Zur Ausgabe
Artikel 30 / 59

KLEINWAGEN Ueber Chrysler

aus DER SPIEGEL 27/1950

Der grinst mit seiner verchromten Schnauze wie'n Amerikaner«, staunte der amerikanische Automobil-Gewaltige Walter Chrysler. Karl-Heinz Staunaus' 400- und 750-Kubikzentimeter-Kleinwagen lockten den schweigsamen Industriellen aus der Reserve: »Chrysler übernimmt den 'Staunau' in sein europäisches Verkaufsprogramm«. bot er an.

Was manche deutsche Automobilfirma nur zu träumen wagt, ging zwischen Chrysler und Staunau in wenigen Stunden glatt. »Und das, obwohl wir bisher unbekannt waren«, freut sich Karl-Heinz Staunau, Chef von Hamburg-Harburgs Maschinenfabrik. Die produzierte bisher Konditorei- und Eismaschinen. Trotzdem wurde sie zweimal demontiert. Zuletzt im Jahre 1949.

Uebrig blieben: die große Werkhalle, einige verrostete Maschinen, 180 Arbeiter und die Idee, einen Kleinwagen herzustellen, der allen Anforderungen gewachsen ist. Flugzeugkonstrukteur Gerd Krebs, 32, setzte Staunaus zehnjährige Kleinwagen-Idee auf das Reißbrett um: »Mitte Juli geht der Staunau in die Serienproduktion von zunächst vier Stück täglich.« 600 bis 900 sollen es in kurzer Zeit monatlich werden.

Konditorei- und Eismaschinen legte Karl-Heinz Staunau zu den Akten. »Wir bauen nur noch Autos. Da gibt es nichts zu demontieren« Verkaufspreis für den 400 ccm Staunau: 4320 DM, für das Exportmodell 4870 DM, und für den 750 ccm 5430 DM.

Ersten Lorbeeren-Vorschuß holte sich Staunaus Typ K 400 bei ADACs Travemünder Sternfahrt. Es war der Versuchswagen. Von 59 gestarteten Kraftwagen aller Klassen kamen nach 1600 Kilometern 43 am Ziel an. 14 wurden prämiiert, darunter der Staunau K 400.

»Ich stand dem Wagnis, meinen 400er Wagen mit den 750ern zu messen, bis zum letzten Augenblick skeptisch gegenüber«, erinnert sich der Chef. Fachleute hatten ihm prophezeit: »Ihr 400er schafft das nie gegen die 750er.«

Vierundzwanzig Stunden später brauste der Staunau mit 95 Kilometer je Stunde durch das Ziel. Der Wagen ging in der Klasse bis zu 750 ccm als Sieger hervor.

Schon dieser erste Erfolg brachte Karl-Heinz Staunau 120 deutsche Kaufverträge. 1100 Interessenten ließen sich vormerken. Eintausend Wagen bestellte die Schweiz über Chrysler. Auch Dänemark und Aegypten gaben Aufträge.

Der Konstrukteur Gerd Krebs erläutert: »Der Wagen klebt trotz des leichten Gewichts von 610 Kilogramm an der Straße. Die Vorderräder sind an einer Querfeder aufgehängt, die Hinterräder besitzen Drehstabfederung. Alle vier Räder sind durch Teleskopstoßdämpfer abgefangen.

Die technischen Personalien seines Wagens: Ilo-Zweitakt-Zweizylinder-Motor mit Doppelkolben. Hubraum 400 ccm, Leistung 14 PS, Verbrauch 5 Liter Gemisch bei 70 km/st Durchschnittsgeschwindigkeit, Spitze 95 km/st, Frontantrieb, 4-Rad-Oeldruckbremse. Dreiganggetriebe.

Beim Staunau K 750 ccm: Leistung 25 PS, Verbrauch 7 Liter bei einer Reisegeschwindigkeit von 85 km/st Spitze 118 km/st, Vierganggetriebe.

»Durch den Frontantrieb wird die Straßenlage noch sicherer«, garantiert Karl-Heinz Staunau. Die selbsttragende Schalenbauweise hat der Wagen vom amerikanischen Hudson. »Die bauen als einzige in der Welt noch selbsttragende Karosserien. Wir halten uns auch daran, denn dadurch wird an Gewicht gespart und bei der Bandproduktion wird der Wagen noch billiger.«

Auch sonst haben die Harburger äußerliche Anleihen an Amerikas zähnefletschende Kraftwagen gemacht. Die Schaltung und die Blinkanlage sind am Lenkrad angebracht. Auf den Vorder- und Hintersitzen können je drei Personen bei einer Sitzbreite von 135 cm bequem Platz finden. Zur Nacht lassen sich die Polster umklappen und ausziehen, so daß eine Liegestatt von zwei Meter Länge entsteht.

Für die nächste Saison bereitet Staunau einen neuen Schlager vor: das Staunau-Cabriolet.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 30 / 59
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.