Übernahme durch Commerzbank Dresdner Bank braucht Kapitalspritze

Fitness-Spritze für die Fusion: Die Commerzbank verhandelt mit dem Rettungsfonds Soffin über Hilfe für die Dresdner Bank. Ohne Unterstützung droht die Kapitaldecke angesichts immer neuer Kreditausfälle sonst gefährlich dünn zu werden.


Frankfurt am Main - Die Commerzbank-Führung wurde bereits zum zweiten Mal beim Banken-Rettungsfonds Soffin vorstellig: Diesmal verhandelt man über Staatshilfen für die besonders stark getroffene Dresdner Bank. Eingebunden sei auch die bisherige Dresdner-Mutterfirma Allianz, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. Die beteiligten Unternehmen sowie die Soffin wollten sich nicht äußern.

Commerzbank-Filiale in Berlin: Kapitaldecke wird gefährlich dünn
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Commerzbank-Filiale in Berlin: Kapitaldecke wird gefährlich dünn

In den Gesprächen geht es den Kreisen zufolge um die Übernahme von Risikopapieren beider Häuser sowie um erneute Kapitalhilfen. Der Rettungsfonds Soffin hatte der Commerzbank mit einer Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro ausgeholfen und eine staatliche Garantie für Anleihen der Bank von insgesamt bis zu 15 Milliarden Euro abgegeben. Dafür muss die Bank eine Gebühr zahlen, kann sich darüber aber voraussichtlich kostengünstiger refinanzieren als ohne Staatsgarantie.

"Diese Hilfen könnten nun für die Zeit nach dem Dresdner-Kauf nicht mehr ausreichen", sagte ein Insider. Vor allem drohe die Kernkapitalquote der fusionierten Bank wegen neuer Belastungen unter acht Prozent zu rutschen - diesen Wert muss sie aber erreichen, um ihre Staatsgarantien nutzen zu können.

Die Dresdner Bank musste trotz Milliardenabschreibungen noch keine Rettungsgelder in Anspruch nehmen. Ihre Kernkapitalquote schmolz indes bis Ende September auf 8,1 Prozent - ein weiterer Rückgang ist Experten zufolge wahrscheinlich.

Die Gespräche mit der Soffin finden unter Zeitdruck statt: Noch in diesem Monat will die Commerzbank die Übernahme unter Dach und Fach bringen. Ein Banksprecher bekräftigte, dass der Zeitplan stehe. Das zweitgrößte deutsche Geldhaus hatte die Übernahme der Dresdner Bank mit der Allianz Ende des Jahres bereits nachverhandelt. Dabei einigten sich beide Seiten auf einen früheren und billigeren Kauf. Die Commerzbank legt nur noch rund fünf Milliarden Euro auf den Tisch - zunächst hatte sie sich mit der Allianz auf mehr als neun Milliarden Euro verständigt.

Um die Übernahme abzusichern, will die Commerzbank Finanzkreisen zufolge noch in diesem Monat als erste deutsche Bank eine staatlich garantierte Anleihe auf den Markt bringen. Ein Sprecher bestätigte zwar die Überlegungen, betonte aber: "Noch gibt es keine Entscheidungen - weder zum Ob, noch zum Timing oder zum Volumen." Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge will die Bank das Papier noch in dieser Woche begeben. Geplant sei ein Volumen von einer Milliarde bis zwei Milliarden Euro.

Bislang hat noch kein deutsches Geldhaus eine Anleihe mit einer solchen staatlichen Ausfallgarantie emittiert. Die HSH Nordbank hatte entsprechende Pläne Ende 2008 angesichts der anhaltenden Krise an den Refinanzierungsmärkten verschoben. Nun solle die Commerzbank als Wegbereiter für dieses neue Produkt vorangehen, sagte ein Insider. Spannend dürfte vor allem sein, zu welchen Konditionen die Anleihe auf den Markt kommt. Auch die BayernLB plant Kreditmarktexperten zufolge die Ausgabe eines solchen Bonds.

Analysten rechnen in diesem Jahr mit einer Flut staatlich garantierter Anleihen von Banken, was die Refinanzierungskosten für andere Häuser weiter nach oben treiben könnte.

Der neue Kapitalbedarf verunsicherte die Investoren. An der Börse gaben die Aktien von Commerzbank und Allianz um 2,0 und 2,6 Prozent nach. Die Krise an den Finanzmärkten hatte sich in den letzten Monaten des vergangenen Jahres nochmals drastisch verschärft. Experten erwarten daher bei den meisten Geldhäusern empfindliche Abschreibungen und teils auch hohe Verluste.

mik/Reuters/dpa/AFP



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