Übernahme durch Luxuskonzern Puma-Aktionäre spekulieren auf satten Aufschlag

Rendite-Phantasien bei den Puma-Aktionären: Kaum hat der französische Luxuskonzern PPR seine Übernahmepläne bekannt gegeben, spekulieren sie auf mehr. Der Aktienkurs von Puma klettert in die Höhe, manche halten sogar 20 Prozent Aufschlag für möglich.


Hamburg/Herzogenaurach - An der Börse ist eine Puma-Aktie Chart zeigen derzeit rund 340 Euro wert - acht Prozent mehr als am letzten Handelstag. Die Franzosen dagegen bieten nur 330 Euro. Mit anderen Worten: Die Anleger rechnen damit, dass das Angebot noch erhöht wird.

Puma-Fahnen in Herzogenaurach: "Preis von über 400 Euro je Aktie möglich"
REUTERS

Puma-Fahnen in Herzogenaurach: "Preis von über 400 Euro je Aktie möglich"

Puma hatte heute Morgen mitgeteilt, dass die deutsche Beteiligungsgesellschaft Mayfair der Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz ihre Beteiligung in Höhe von rund 25,14 Prozent an PPR verkauft habe. Der Preis je Aktie liegt bei 330 Euro. Den anderen Puma-Aktionären soll ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von ebenfalls 330 Euro pro Anteilsschein gemacht werden.

Manche Banken sind allerdings deutlich optimistischer. So hat das Bankhaus Lampe die Einschätzung für die Puma-Aktie das Kursziel von 325,00 auf 360,00 Euro erhöht. Die Analysten begründeten dies damit, dass in der Vergangenheit häufig Aufschläge auf erste Übernahmeangebote zu beobachten waren.

Noch deutlicher wurde die HypoVereinsbank (HVB). Sie stufte die Puma-Aktie von "Hold" auf "Buy" hoch, das Kursziel wurde von 286 auf 400 Euro angehoben. Gegenüber dem Angebot von PPR entspricht dies einem Zuschlag von 21 Prozent. Angesichts der hervorragenden finanziellen Entwicklung von Puma und der fundamentalen Perspektiven könne der faire Wert sogar auf über 400 Euro je Aktie steigen, schreibt Analyst Uwe Weinreich in einer aktuellen Studie. Er rät Investoren deshalb von einer Annahme des PPR-Übernahmeangebotes zu 330 Euro je Puma-Aktie ab.

Die Franzosen selbst betonten hingegen, dass es kein höheres Gebot geben werde. "Das Angebot steht fest und ist endgültig. Eine Erhöhung ist für uns keine Option", sagte PPR-Vorstandschef François-Henri Pinault auf einer Pressekonferenz. Er zeigte sich gelassen, falls es PPR nicht gelingen werde, Puma vollständig zu übernehmen: "Wir haben eine Kontrollmehrheit und fühlen uns damit sehr wohl." Die Möglichkeit einer Gegenofferte, beispielsweise des weltweit größten Sportartikelherstellers Nike Chart zeigen, bezeichnete Finanzchef Jean-François Paulus als "sehr hypothetisch".

Auch das Puma-Management bezeichnete das Angebot von PPR als "fair". Dies habe eine unabhängige Analyse ergeben, sagte der Vorstandsvorsitzende Jochen Zeitz. Zurzeit gebe es auch keine anderen Bieter. "Wenn ein anderes Angebot vorliegen sollte, werden wir es zwar ernsthaft prüfen", sagte Zeitz, betonte aber gleichzeitig, dass Puma die PPR-Offerte unterstütze. Bereits am Donnerstag hatte die Aktie aufgrund von Gerüchten über die bevorstehende Transaktion um mehr als zehn Prozent zugelegt.

PPR erwartet eine schnelle Übernahme. Mit Einwänden europäischer und deutscher Wettbewerbshüter rechne man nicht, sagte Vorstandschef Pinault. "Voraussichtlich Ende Juni oder Anfang Juli wird das Angebot geschlossen." Pinault sprach von einer einzigartigen strategischen und finanziellen Chance für Puma. Die Integration von Puma in den PPR-Konzern, zu dem die Edelmarken Gucci Chart zeigen und Yves Saint Laurent gehören, werde viele Synergien mit sich bringen.

Laut PPR sind im Rahmen der geplanten Transaktion keine Veränderungen beim Personal vorgesehen. Es sei der Wunsch der PPR-Gruppe, dass Vorstand, Management und Mitarbeiter von Puma auch weiterhin an der erfolgreichen Umsetzung der Unternehmensstrategie arbeiten, hieß es. Auch die weltweiten Standorte von Puma sowie die drei Firmenzentralen in Herzogenaurach, Hongkong und Boston sollen ihre volle Eigenständigkeit behalten.

Eigenständigkeit behalten

Auch Puma-Chef Zeitz rechnet im Fall einer erfolgreichen Übernahme durch PPR nicht mit Personaleinsparungen. "Wir erwarten qualitative Synergien", sagte er. Puma werde von der Design- und Beschaffungskompetenz von PPR ebenso profitieren wie von dessen Handelserfahrung. Zeitz sagte, er gehe davon aus, dass Puma seine Eigenständigkeit behalten werde. PPR habe dies zugesichert.

Die Übernahmeofferte gab nicht nur der Puma-Aktie Auftrieb, auch der deutsche Aktienmarkt insgesamt profitierte. Der Leitindex DAX gewann bis zum Nachmittag 0,6 Prozent auf 7145 Zähler. Der MDAX legte mit Puma an der Spitze um 1,2 Prozent auf 10.594 Zähler zu. Zur Mittagszeit erreichte er sogar ein neues Rekordhoch von 10.613 Zählern. Der TecDAX rückte um 1,2 Prozent auf 879 Punkte vor.

wal/dpa/ddp/Reuters/dpa-AFX



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