Übernahme durch Microsoft Yahoo will doch verhandeln

Nun also doch: Erst lehnte Yahoo ein Übernahmeangebot von Microsoft ab. Zu niedrig sei das, hieß es - Microsoft zog zurück. Nun sagt Yahoo-Chef Jerry Yang, dass man gerne weiterverhandeln wolle. Damit beugt er sich Forderungen seiner Aktionäre.

New York - Der Chef und Gründer des Internetkonzerns Yahoo, Jerry Yang, will weiterhin zu einer Übereinkunft mit dem US-Software-Giganten Microsoft kommen. Er sei bereit, weitere Vorschläge von Microsoft zu diskutieren, sagte Yang der "Financial Times".

Eine Übernahme von Yahoo war am vergangenen Samstag zunächst gescheitert, nachdem Microsoft sein milliardenschweres Angebot zurückgezogen hatte. Yahoo hatte die Offerte als zu niedrig abgelehnt. Dies bedeute aber nicht, dass der Konzern niemals wieder mit Microsoft verhandle, sagte Yang. "Wir waren begierig darauf, ein Geschäft abzuschließen und sie sind weggegangen."

Yang muss sich am 3. Juli bei einer Hauptversammlung des Konzerns den Aktionären stellen, wie der Konzern am gestrigen Montag in New York mitteilte. Einige Aktionärsvertreter hatten bereits offen die Zurückweisung des Microsoft-Angebots kritisiert.

Die Yahoo-Aktie ist nach dem Scheitern der Übernahme durch Microsoft zwar stark unter Druck geraten, aber nicht so deutlich wie zuvor vielfach befürchtet wurde. Etliche Aktionäre rechnen offenbar damit, dass auch Microsoft sich bereit erklärt, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, erklärten Analysten.

Der Kurs der Yahoo-Aktie   brach am gestrigen Montag um 4,30 Dollar oder 15 Prozent auf 24,37 Dollar ein. Das war ungefähr die Hälfte des Gewinns, den die Aktie seit Bekanntgabe des Microsoft-Angebots am 31. Januar gemacht hatte. "Wenn der Ärger der Yahoo-Aktionäre den Siedepunkt erreichen sollte, dann glauben wir, dass Microsoft   wieder aktiv werden könnte und dann so etwas wie ein Weißer Ritter wäre", erklärte der Analyst David Hilal von Friedman, Billings, Ramsey & Co.

Ähnlich sehen es offenbar viele Aktionäre, die sich entschieden, derzeit noch nicht zu verkaufen. "Ich hätte eine extremere Reaktion erwartet auf den Rückzug von Microsoft", erklärte der Analyst Clayton Moran von der Stanford Group. "Microsoft möchte, dass es so aussieht, als ob sie nicht wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, aber die verhaltene Reaktion zeigt, dass ihnen das der Markt nicht abkauft."

Microsoft ist daran interessiert, seine Internetpräsenz weiter auszubauen, um gegen den Internetriesen Google   konkurrieren zu können. Yahoo und Google, Konkurrenten im Suchmaschinengeschäft, verhandeln derzeit über eine Zusammenarbeit bei Werbung und Suche. Dabei haben sie, wie aus Kreisen in der Nacht zu Dienstag bekannt wurde, noch keine Einigung erzielt.

Die großen drei: Microsoft, Google und Yahoo im Vergleich

Google Microsoftund Yahoo Microsoft Yahoo
Umsatz in Mrd. US-Dollar* 16,59 58,1 51,12 6,97
Gewinn in Mrd. US-Dollar* 4,20 14,73 14,07 0,66
Mitarbeiter 16.800 93.300 79.000 14.300
Suchanfragen weltweit in Mrd. 37,1 10,7 2,2 8,6
Anteil der Suchanfragen weltweit 60,8% 17,5% 3,5% 14,0%
Suchanfragen mobil USA in Mio. 6,3 5,4 1,2 4,2
Anteil Suchanfragen mobil USA 38,3% 32,7% 7,3% 25,4%
E-Mail-Accounts in Mio. 51 518 256 262
* Zahlen für Geschäftsjahr 2007
Stand: Februar 2008, Quelle: Unternehmensinformationen

kaz/AFP/AP/Reuters

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